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Olaf
unterwegs vom 18.06.2004 bis zum 27.06.2004.
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Im Juni 2004 habe ich mir mein erstes eigenes Auto gekauft.
Und das mußte natürlich gleich ausprobiert werden.
Da ich nur einen kurzen Urlaub machen wollte, aber das
dringende Bedürfnis empfand, mal wieder in ganz
unberührter Natur in den Bergen zu wandern, hatte ich mir
die spanischen Pyrenäen als Ziel ausgesucht.
Und da von meinen Freunden gerade niemand Zeit und Lust hatte,
habe ich mich allein ins Auto geschwungen. Die Fahrt ist
definitiv eine ganz schöne Gurkerei, rund 2000km
sind's von Hamburg aus bis man in Spanien ist. Der erste
Tag verläuft ereignislos, zunächst auf Deutschen, dann
auf Französischen Straßen. Bei gutem Wetter
geht's über Hannover, Kassel, Frankfurt, Mannheim, Karlsruhe
nach Freiburg, dann hinüber nach Frankreich, endlich
in Richtung Westen. Die Autobahn in Frankreich ist angenehm
leer, da macht das Fahren trotz zunehmender Müdigkeit
doch gleich viel mehr Spaß. In einem Rutsch erreiche
ich Beaune, wo ich eigentlich übernachten wollte. Doch
leider sind die ganzen Billighotels an der Autobahn schon
proppevoll, so dass ich über die Landstraße im
dunkeln nach Chalon-sur-Saone weiterdüse. Völlig
geschafft komme ich gegen 23:00 dort an und finde auch sofort
ein Hotelzimmer in einem vollelektronischen Hotel: Bezahlt
wird mit Kreditkarte, der Automat am Eingang spuckt dann
einen Zettel mit der Geheimnummer aus, die man benötigt,
um die Zimmertür zu öffnen. Das ganze ist zwar
ein wenig modern und unterkühlt, aber es ist auch
billig. Und so müde wie ich bin, würde ich
den Unterschied zu einem Luxushotel ohnehin nicht mehr
bemerken...
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Der nächste
Tag beginnt viel entspannter. Nur 50km sind es bis nach
Cluny,
meinem ersten Reiseziel. Hier stehen die Überreste
der einst größten Kirche der Welt, und das in
einem kleinen Dorf, das von den alten Bauwerken völlig dominiert
wird. Es ist Samstag morgen gegen 8:30, die Anzahl der
Touristen ist verschwindend gering und es ist Markt. Es gibt
nichts schöneres als in einer französischen
Kleinstadt frische Sachen vom Lande einzukaufen, also
versuche ich mich mit meinem bisschen Französisch
darin, diverse Sorten Ziegenkäse und Marmeladen
zu erstehen. Insbesondere die Grüne-Tomaten-Marmelade
ist ein echter Gaumenschmaus, wie meine nächsten
Mahlzeiten zeigen werden. Gegen halb zehn machen die Museen
auf, doch nach dem Marktbummel bin ich nicht mehr
in der Laune, stundenlang durch Museen und Ruinen zu
tigern, da lege ich doch lieber noch eine anständige
Brotzeit ein und mache mich wieder auf den Weg: Es liegen
ja heute noch gute 800km vor mir.
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 Wieder auf der
Autobahn geht es weiter in Richtung Süden. Zwischen
Lyon und Valence der übliche Stau, doch dann
geht es zügig weiter in Richtung Mittelmeer.
So mancher Ortsname an den Autobahnabfahrten weckt
schon die Lust, noch einiges in Frankreich anzuschauen:
Der Papstpalast in Avignon, Nîmes mit seinem
Amphitheater oder dem Aquädukt Pont du Gard
und auch das wehrhafte Aigues-Mortes mit seinen
noch erhaltenen Stadtmauern. Aber ich bleibe hart, denn
ich will ja eigentlich möglichst viel in Spanien
herumreisen. So gelange ich bei La Jonquera
an die spanische Grenze und fahre auch direkt durch
den gleichnamigen
Ort von der Autobahn ab. La Jonquera ist eine echte
Katastrophe von Ort, direkt an der Grenze gibt es
hier Spielhallen, Zigarettenshops und LKW-Parkplätze,
kein Ort, um sich einen ersten Eindruck von Spanien zu
verschaffen. Schnell beschließe ich, von hier aus
erst einmal in Richtung Cap de Creus zu fahren, sozusagen zum östlichen
Ende der Pyrenäen, direkt am Mittelmeer. Der Weg führt
nun in Serpentinen durch eine Hügellandschaft, die
mit einzelnen Bämen und Kakteen, mit vielen
großen Flechten und ansonsten von Gras bewachsen
ist. Das mittlerweile recht regnerische Wetter ist angenehm
(ich bin halt ein Nordmensch), auch wenn es meine
Urlaubsfotos natürlich etwas grau färbt.
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  Die Straße
zwischen La Jonquera und Port de la Selva lohnt sich
nicht nur wegen der schönen Landschaft am Wegesrand,
sie führt auch direkt an einer der größten
Attraktionen dieser Gegend vorbei: Dem Kloster
Sant Pere de Rodes.
Ein wundervoll erhaltenes Benediktinerkloster, in dessen
verwinkelten Räumen man sich verlaufen kann, gelegen
direkt am Hang mit Blick auf das Mittelmeer. Im Kloster kann
man eine Menge Zeit zubringen, bis man alle Räume
gesehen hat, in der Umgebung liegen noch weitere Ruinen
einer Burg, eines Weilers und einer Kirche. Durch den
Regen dieses Nachmittags sieht alles sehr satt und
grün aus hier oben auf den Hügeln, die Mönche
haben hier früher Wein angebaut. Und bei Regen sind
auch einige große, hübsche Schnecken unterwegs.
Nach dem Besuch geht es weiter zum Ort Port de la Selva,
der malerisch direkt in der Bucht gelegen ist. Ich bechließe,
auch gleich diese Nacht im Zelt zu verbringen, die Luft und
die Umgebung muss man doch genießen. Den Zeltplatz
L'Arola sollte man dabei jedoch nicht in
Betracht ziehen, er ist zwar direkt am Meer gelegen, ist
aber eigentlich ein hässlicher Parkplatz. Nicht weit
weg ist Camping Port de la Selva die schönere
Alternative.
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  Früh am
nächsten Morgen geht es wieder los. Das Cap de Creus,
der östlichste Punkt Spaniens, ist das erste Ziel.
Ein Großteil der ganzen Halbinsel ist ein Naturpark,
das Zelten ist hier nicht gestattet, trotzdem fahre ich an
einigen verschalfenen Wohnmobilen vorbei. Die Landschaft
hier ist etwas unwirklich, zerklüftete Felsen,
eine erstaunliche Vielfalt an Pflanzen, der ungebremste Wind
vom Mittelmeer. Und Landschildkröten gibt es hier,
beinahe hätte ich eine überfahren. Am Cap selbst ist
es fast stürmisch, der Wind weht micht fast weg. Und
kaum jemand ist hier zu dieser Uhrzeit. Das dürfte mittags
in der Hochsaison anders aussehen, das Restaurant am Leuchtturm
scheint für größeren Andrang gerüstet
zu sein.
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Vom Cap de Creus
geht es wieder zurück ins Landesinnere. An Figueres,
das berühmt ist für das dortige Museum von
Salvador Dali, fahre ich vorbei, in die Berge soll es
jetzt gehen. Erstes Ziel ist das Vulkan-Gebiet
La Garrotxa. Aktiv sind die Vulkane
hier seit langem nicht mehr, sie sind volständig mit
Wald überwuchert, so dass man schon genau hinsehen
muss, um einen Krater als solchen zu identifizieren.
Ich mache hier eine erste kurze Wanderung bis zum
Kraterrand des Santa Margarida. Der Weg ist schattig,
es sind hier aber auch jetzt schon eine Menge Touristen
unterwegs (es ist ja auch Sonntag). Oben angelangt
hat man einen schönen Blick in den Krater, in
dessen Mitte eine kleine Kapelle steht. Nach meinen
Reisen nach Island und
Hawaii finde ich den Anblick jedoch nicht unglaublich faszinierend, so dass
ich wieder zum Parkplatz zurückwandere. Ich verlasse
das Gebiet der Garrotxa und fahre weiter in die Pyrenäen.
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 Über Ripoll
geht es weiter gen Westen, auf den Nationalpark
Cadí Moixerò zu. Dieser Teil der
Pyrenäen spricht mich jedoch nicht sehr an. Das liegt
wohl zum einen daran, dass ich doch etwas genervt bin vom
vielen Herumfahren, der schlechten Ausstattung dieser
Gegend mit Wegsweisern und dem Touristenandrang in der
Garrotxa. Zum anderen sind es jedoch die großteils
von Nadelbäumen bestandenen Berge, die ich nicht
als sehr einladend empfinde. Also fahre ich sozusagen
einfach hindurch, Serpentinen herauf, herunter,
quer und krumm. Auch bei den Stellen, wo der prägnante
rote Sand dieser Gegend zum Vorschein kommt, hat es mich
nicht lange gehalten, so dass ich am Ende dieses Tages rund
400km durch die Berge zurückgelegt habe. Mittlerweile
ist dies der dritte Tag, den ich zu guten Teilen im Auto
verbringe: So habe ich mir das eigentlich nicht vorgestellt.
Nach etlicher Fahrerei lande ich aber immerhin dort, wo
ich auch wirklich wandern will: In Espot, dem östlichen
Zufahrtsort des Nationalparks Aigüestortes.
Hier befindet man sich schon mitten in den Bergen auf
etwa 1300m Höhe. Am Ende des Dorfes baue ich mein
Zelt auf dem schönen, kleinen Campingplatz
Solau auf, es ist zwar niemand da, bei dem ich mich
anmelden könnte, aber das findet sich dann schon.
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 Früh
morgens stehe ich auf, sehe noch, wie ein moderner
Schafhirte seine Herde mit dem Auto durch die Straßen
treibt und verlasse gut gelaunt den Zeltplatz. Zu diesem
Zeitpunkt verläßt auch ein anderes Wesen sein
Zelt, offenbar mit dem gleichen Ziel: Dem Estany de Sant Maurici.
Wir kommen ins Gespräch und beschließen, zumindest
bis zum See gemeinsam zu wandern und dann mal sehen, wohin es
so weitergeht. Das Wesen heisst Bridgette und stammt aus
Australien (und als ob das noch nicht weit genug weg
wäre auch noch aus Tasmanien). Bridgette ist im Bergwandern
deutlich erfahrener als ich und scheint auch mit der
Höhenluft kein Problem zu haben. Somit beginnt für
mich ein wirklich anstrengender Tag, bei dem ich ihr den
größten Teil der Zeit atemlos hinterher stapfe,
während sie hin und wieder auf mich wartet, aber
natürlich nur so lange, bis ich sie gerade eingeholt
habe. Bis zum See sind es nur wenige Kilometer und der Weg ist
nicht sehr anstrengend, sondern viel zu gut beschildert für
unseren Geschmack. Der Estany de Sant Maurici ist ein
künstlich aufgestauter See, der zur Energiegewinnung genutzt
wird. Rein optisch ist dies nur durch den wenig ansehnlichen
Staudamm auszumachen, ist man an diesem jedoch erst einmal
vorbei, so hat man einen schönen Bergsee vor sich. Dort
gibt es auch das erste Refugium, ein Unterstand, der sich
im wesentlichen dadurch auszeichnet, dass es hier eine große
Karte gibt, auf der diverse Wanderwege eingezeichnet sind.
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  Wir
rasten ein wenig und beschließen, gemeinsam den
Weg bis zum Portarro d'Espot zu nehmen, jenem Pass, der
bei der Querung des Parks in Ost-West-Richtung überquert
werden muß. Das bedeutet schon eine recht heftige
Wanderung, von etwa 1350m Höhe in Espot bis zum
2424m hohen Pass, das fühlt sich zwischendurch
recht anstrengend an. Bridgette geht voran, während ich
hinterherlaufe, immer weiter geht es steil bergauf. Von
hier hat man schöne Blicke hinunter auf den Estany de
Sant Maurici. An einer Weggabelung haben wir die letzte Wahl,
entweder nur den See zu umrunden oder aber hoch auf den
Pass zu steigen. Wir sind uns einig: Es geht nach
ganz oben. Und trotz aller Mühsal, die es mich
kostet, weiter und weiter hinaufzusteigen, entlohnt mich
die Umgebung hier reichlich. Immer dem Wasser entgegen,
das von oben vom Pass her kommt, wandern wir den Bergeinschnitt
empor. Hier oben gibt es bereits einige Schneefelder, es ist
noch Juni, also ist es auch ziemlich kühl hier oben.
Kurz vor dem Gipfel gelangen wir an ein ziemlich steiles,
großes Schneefeld. Bridgette steigt kurzentschlossen
mitten hindurch, was mir ein wenig sehr riskant aussieht.
Nach einer Weile finde ich einen anderen Weg, der nur an einer
Stelle ein paar Meter durch das Schneefeld führt. Hinter dem
Schneefeld suche ich erst eine Weile nach Bridgette, die ich
immer noch mittendrin vermute, aber sie ist schon lange
hindurch und bis zum Grat hochmarschiert. Oben auf dem
Pass ist es fantastisch: Es ist kalt, alles ist weiss,
eisige Seen mit Stränden aus Schnee gibt es hier.
Und dann ein schöner Blick hinunter ins andere Tal, wo
der See Estany Llong in tiefem Blau leuchtet.
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 Hier oben auf dem
Pass habe ich noch eine eisige Foto-Session mit meinen
kleinen Begleitern, bevor ich mich wieder auf
den Weg nach unten mache. Das ist auf den ersten Blick gar nicht
so leicht, da man am Ende dieser Hochebene keinen weiten Blick
am Berghang entlang hat und somit kaum sehen kann, ob ein
möglicher Weg wirklich weiter nach unten führt oder
nach einigen Metern einfach an einer steilen Stelle endet.
Witzigerweise finde ich in dieser Art Blindflug einen Weg nach
unten, der durch kein Schneefeld führt, einen Weg also,
den ich auf dem Weg nach oben trotz besserer Übersicht
nicht gesehen habe. Ein Stück weiter unten treffe ich Bridgette
wieder, die in dieser deutlich wärmeren Zone auf mich
gewartet hat. Gemeinsam wandern wir wieder hinunter zur
Weggabelung und umrunden nun den Estany de Sant Maurici
vollständig.
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   Auf diesem Teil
der Wanderung trifft man noch auf viele wundervolle
Seitentäler, schöne Wasserläufe und einige
weitere Seen. Die Landschaft ist weniger karg als auf oben
auf dem Pass, die Vegetation ist üppig und grün,
der Unterschied ist wirklich beeindruckend. Waren oben auf
den nackten Felsen vorwiegend Krustenflechten und Moose
anzutreffen, so gibt es hier wieder dichte, bewaldete
Areale, die unter anderem die Heimat von baumbewohnenden
Strauchflechten sind. Zurück unten am Ufer des Sees
sind wir beide ein wenig geschafft, aber froh und glücklich.
Der Rückweg nach Espot scheint uns zwar ein wenig länger
als auf dem Hinweg, aber es geht stetig ein wenig bergab und
ist nicht anstrengend. Wieder am Zeltplatz angekommen, gibt
es noch eine Mahlzeit, dann verschwinden wir auch schon
in unseren Zelten. Und ich schreibe in mein Tagebuch: Das
war die Wanderung meines Lebens!
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 Am nächsten Tag
sind wir auf die andere Seite des Nationalparks Aigüestortes
gefahren, die in noch gröszlig;erem Maße von
vielen Seen geprägt wird. Hierbei fährt man
durch das Vall de Boí,
ein von Süden nach Norden gehendes Tal im Südwesten
des Parks. Die Fahrt geht durch einige Dörfer, bis
man in den Nationalpark hineinfährt. Hier bekommen
wir sogar eine kleine Landkarte in die Hand gedrückt,
die aber nur bedingt wandertauglich ist. Am Ende der Straße
erreicht man den Staudamm des Embassament de Cavallers,
eine riesige Wand aus Beton, vor der sich einige Parkplätze
befinden. Hier wandert man zunächst in kleinen Serpentinen
hinauf, um dann einen Blick auf den großen See zu
genießen. Die Wanderung geht am Ostufer entlang, um
dann nach Nordosten talaufwärts in die Berge zu führen.
Hier gibt es zunächst eine kleine paradiesische Ebene
(wo wir durch einen freundliche Hinweis zweier Wanderer
flämischer Herkunft ein erstes Murmeltier zu Gesicht
bekommen). Weiter bergan geht es zum Estany Negre, wobei Bridgette
immer noch deutlich schneller voranschreitet und mit den
beiden anderen vorauswandert. Ich mache stattdessen einige
Fotos auf dem Weg und finde die Drei erst oben an der Hütte
oberhalb des Sees wieder. Hier gibt es Herzhaftes zu Essen,
und wir speisen in dem schönen Holzhaus sehr gemütlich.
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  Nach dem Essen wandern
die beiden Flamen wieder bergab, während wir noch die nur
wenig höher gelegenen Seen anschauen wollen. Bei bestem
Sonnenschein spazieren wir dort oben wieder durch eine recht
einsame Welt der Wunder, hier gefällt es uns genau so
gut wie am Vortag auf der anderen Seite des Parks. Nach einer
Rast suchen wir einen Weg nach unten (der Pfad ist zunächst
nicht sehr gut markiert) und zügig geht es wieder hinab
zum großen Stausee. Der scheint auf dem Rückweg
aber auch deutlich größer geworden zu sein,
zumindest werden unsere Schritte immer langsamer. Mit dem Auto
fahren wir zurück durch das Vall de Boí bis zum
Ort Barruera, wo wir den Abzweig zum Campingplatz zunächst
einmal übersehen. Im Dorf gibt es übrigens einen
Delikatessladen, der neben diversen Alkoholika auch den
hiesigen Honig (Miel de Boí) verkauft.
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  Der nächste
Tag wird ein sehr fauler Urlaubstag. Wir fahren ein
wenig durch das Vall der Boí und schauen uns die
wundervollen romanischen Dorfkirchen an, die hier in der Abgeschiedenheit der Bergdörfer
die Jahrhunderte tadellos überstanden haben. Es
gibt mehr als ein Dutzend davon und mehr als die Hälfte
davon gehören zum Unesco Weltkulturerbe. Es tut richtig
gut, auch mal wieder einen Tag etwas weniger heftig anzugehen
und wir können etwas Erholung gut gebrauchen. Nach diesem
kulturellen Höhepunkt unserer Reise fahren wir weiter
gen Westen, wo auf uns am nächsten Tag der
Ordesa-Nationalpark wartet. Zuvor kommen wir durch die
touristische Hauptstadt dieser Region, der Ort Ainsa
hat noch einen vollständig erhaltenen mittelalterlichen
Kern oben auf dem Berg. Die Tatsache, dass hier offenbar
so einige Touristen vorbeikommen, hat auch einen Vorteil:
Hier gibt es einige Läden, die die Delikatessen
des Umlandes verkaufen: Honig, aussergewöhnliche
Marmeladen (z.B. Kastanienmarmelade), sehr herzhafte
Ziegenkäsesorten und unglaublich gute Schokolade
haben wir hier gefunden (und auch im Internet sind diese
Läden bereits vertreten, z.B. unter
Sabores de Pueblo). Nach einigem Herumlaufen
in der prallen Mittagssonne überlegen wir schon, ob
wir direkt hier den örtlichen Campingplatz aufsuchen
sollen. Doch eigentlich wollen wir heute schon möglichst
dicht an den Nationalpark heran, damit wir gleich morgen
früh wieder wandern können. Also fahren wir schon
bis zu der Straße, die nach Westen zum
Cañón de Añisclo führt und finden hier den Campingplatz Camping
Valle d'Añisclo, den uns alle Reiseführer
verschwiegen haben. Er liegt direkt an einem Fluss, es
gibt auch eine schöne Badestelle, die allerdings
nur für Hartgesottene geeignet ist: Der Fluss ist
wirklich eiskalt. Hier vebringen wir einen sehr ruhigen
Nachmittag, schauen einer Gruppe von Kletterern zu, die
sich an der nahegelegenen Brücke abseilen, und
lesen noch ein wenig. Ein schöner, sonniger
und sehr entspannter Tag.
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  Am nächsten Morgen
geht es wieder recht früh lost, der Cañón de Añisclo steht auf dem Programm. Die Fahrt zum Cañón
ist bereits ein Erlebnis: Wir folgen der nördlichen
Straße zwischen Escalona und Nerin, die nach kurzer
Zeit bereits tief in eine Schlucht führt. Sie verläuft
auf der einen Seite direkt an (und z.T. eher unter) der
Felswand, auf der anderen Seite wird sie durch den Fluß
begrenzt, der im Laufe von Jahrtausenden diesen Weg tief
in das Felsmassiv geschnitten hat. Der Cañón
de Añisclo zweigt nördlich von dieser Schlucht
ab, von einem Parkplatz aus beginnt die Wanderung, die zunächst
einmal über eine schöne, alte Brücke (oder
aber auch über eine sehr hässliche, neue Brücke
direkt daneben) den Fluß quert.
Man folgt einfach immer dem Flußlauf durch das Tal,
immer ein wenig den Bergen entgegensteigend, eine Rundwanderung
ist hier nicht möglich, d.h. es geht in jedem Fall wieder
auf demselben Pfad zurück. Die Wanderung selbst verläuft
im Schatten der Felsen und zum größten Teil durch
den Wald, die Steigungen sind bis auf einen etwas anstrengenderen
Abschnitt kurz vor dem Ziel sehr leicht. Unser Ziel ist die
Lichtung La Ripareta, die man sehr unvermittelt
erreicht. Es lichtet sich der Wald und man gelangt auf eine
kleine grasbewachsene Ebene, alles sieht sehr satt und grün
aus hier. Hier rasten Bridget und ich erst einmal und ich habe
wieder einen Fototermin mit meinen beiden
kleinen Reisebegleitern.
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 Dann geht es wieder
zurück, diesmal doch etwas schneller als auf dem Hinweg,
da es bergab geht
und der Weg ja schon bekannt ist. Insgesamt ist die Wanderung
durch den Cañón nicht so sensationell, wie sie
in den meisten Reiseführern beschrieben ist, wir haben
den weiten Blick in die Berge doch ein wenig vermisst.
Doch die Blicke auf den Fluss, der sich oftmals um große
Felsblöcke windet, sind schon faszinierend. Da wir die
Straße durch das Flusstal sehr faszinierend fanden,
haben wir noch eine Runde zurück zum Campingplatz
gedreht (hin auf der südlichen Trasse, zurück
wieder auf dem nördlichen Stück) und sind
dann weiter zur Westseite des Nationalparks gefahren. Hier
lockt uns wieder die große, weite Bergwelt, das
Vall de Ordesa mit seinen wundervollen Bergen. Wir bleiben
auf dem Campingplatz in Torla, der ein wenig abseits der
Straße liegt. Von hier hat man bereits einen
wundervollen Blick auf die Berge am Eingang des Ordesa-Tals,
ein wundervolles Gefühl am Fuße der Pyrenäen
im Freien zu übernachten. Nach einem gemeinsamen Abendessen
fallen wir recht erschöpft in die Zelte: So eine Wanderung und
die viele frische Luft machen doch ganz schön
müde.
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  Heute ist der
Tag unserer letzten gemeinsamen Wanderung. Für mich
geht es dann wieder so langsam in Richtung Hamburg, Bridgette
wird zunächst einmal nach Barcelona fahren, um dann
über Paris nach Down Under zurückzukehren. Aber noch
sind unsere Gedanken hier in den wundervollen Bergen,
zwischen denen wir nun wieder einen großartigen
Tag verbringen. Wir fahren in den hinein in das Ordesa-Tal bis
zum Parkplatz (der in der Hochsaison nur mit Bussen von
Torla erreicht werden kann: Schon jetzt in der Vorsaison
ist er gut gefüllt). Hier sind doch insgesamt viel
mehr Menschen unterwegs, als wir es bisher in den Pyrenäen
kennengelernt haben. Vom Parkplatz führt die
Hauptwanderroute direkt in der Talsohle entlang, aber
das ist nicht unser Ziel. Wir überqueren gleich den
Fluss Río Aras und wandern dann einen
Jagdweg hinauf bis zur Punta Acuta. Der Weg steigt 700m steil
den Berghang hinauf und erfordert schon eine gute Kondition,
nach einer ¾ Stunde ist man oben. Bei Nässe oder
gar Eisglätte ist dieser Weg gefährlich, aber auch
für mich, der ich nicht Schwindelfrei bin und einen
mächtigen Respekt vor gefährlichen Höhen
habe, ist der Weg kein Problem. Oben angekommen findet man
nur glückliche Gesichter, denn die wesentliche Anstrengung
des Tages ist für alle hier oben bereits geschafft.
Von hier aus kann man direkt oben am Berghang in das Ordesa-Tal
hineinwandern. Die Absätze im ansonsten sehr steilen
Hang der Pyrenäenberge
ziehen sich an manchen Stellen kilometerlang durchgängig
am Hang entlang und sind oftmals breit genug, um darauf
entlangzuwandern. So eine sog. Faja haben wir jetzt vor uns:
Die Faja de Pelay. An manchen Stellen geht sie direkt an
der Steilwand entlang, manchmal ist sie breit genug für
kleine Waldstücke und Wiesen. Ein wundervoller, idyllischer
Weg liegt vor uns, der uns beschert, was wir ersehnt haben:
Weite Blicke auf die anderen Berge und hinab in Tal, das sich
weit unter uns erstreckt.
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  Der Weg führt
mit nur leichtem Gefälle am Hang entlang,
während die Talsohle langsam dem Weg entgegensteigt.
Am Ende des Tals treffen sich beide und genau dort
befindet sich der Wasserfall Cola de Caballo,
der dort durch einen schmalen Einschnitt in den Bergen
hinunter ins Tal stürzt. Für die richtigen
Bergsteiger beginnt der Weg hier erst, von hier kann man
zum Refuigio de Góriz hochsteigen und einige Klettertouren
unternehmen. Wir haben jedoch den schönsten Teil des
Tages hinter uns und wandern auf dem breiten, sehr
stark frequentierten Weg zurück in Richtung Parkplatz.
In mitten einer wahren Menschenflut wandern wir auf der
Hauptwanderroute des Ordesa-Tals. Landschaftlich ist
es jedoch auch hier sehr schön, an vielen Stellen
bildet der Río Aras schöne
Wasserfälle, bei denen das Wasser oftmals über
viele Treppenstufen schrittweise hinunterfließt.
Dieser Rückweg kommt uns schon ziemlich lang und
ermüdend vor und die Hinweise in
manchen Reiseführern, unsere Runde lieber in entgegengesetzter
Richtung zu unternehmen, erscheint uns ganz schön
anstrengend: Dann würde man wirklich den ganzen Tag bergan
steigen und hätte am Ende einen sehr steilen Abstieg, der
eher kraftzehrend denn erholsam sein dürfte.
Nach einem wundervollen Tag fahren wir zurück nach
Torla, wo ich noch einige Postkarten erstehe.
Wir diskutieren noch ein
wenig, wo ich am nächsten Tag Bridgette am besten
wieder so absetzen kann, damit sie einen Bus nach Barcelona
bekommt, der Abschied ist also nah. Recht spät steige
ich in meinen Schlafsack, nachdem ich noch 12 Postkarten in
einem Rutsch geschrieben habe.
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  Heute ist ein
etwas melancholischer Tag. Zum einen trennen sich heute
unsere Wege, ich setze Bridgette unterwegs ab, damit sie
den Bus zurück nach Barcelona nehmen kann. Zum
anderen ist es schon Zeit, an den Rückweg zu denken,
ein langer Tag im Auto liegt vor mir. Wieder geht es
früh los, damit Bridgette den Bus ab Viella noch
rechtzeitig erreicht. Wir fahren also ein Stück
des Weges zurück nach Südosten, wieder durch
Ainsa, viele Serpentinen bergauf und bergab, durch den
langen Tunnel von Viella und sind schließlich
da. Zum Abschied tauschen wir noch unsere Daten, ich
werde Bridgette wohl bei meiner Australienreise besuchen
kommen. Und dann geht es wieder alleine weiter. Einmal
durch die Pyrenäen und auf der französichen Seite
hoch bis an die Atlantikküste. Dort mache ich noch
Halt in Biarritz, bei 30° im Schatten und sengender
Sonne komme ich in diese völlig andere Welt aus
Badenixen, Boutiquen und Spielcasinos. Das Casino von
Biarritz ist übrigens ein sehr schöner Art-Deco-Bau,
wie man ihn nur selten finden wird. Die Lage des Strandes
zwischen den hohen Küstenfelsen ist toll. Nach
einer kurzen Rast am Strand fahre ich wieder weiter.
Der Weg führt an Bordeaux vorbei, dem ich einen
Besuch abstatten möchte. Aber meine Erwartungen
werden nicht erfüllt, statt einer schönen
Hauptstadt des Weines finde ich eine Großstadt mit
riesigem Industriehafen. Das schöne am Bordelais
findet man definitiv weiter außerhalb in den
Dörfern und den Chateaus. Nun wird es wirklich Zeit,
noch ein paar Kilometer zu fressen, bis nach Tour an der
Loire führt mich die Reise. Hier sind alle Billig-Hotels
völlig ausgebucht, ein großes Folklore-Festival
findet hier statt, ein Hotel-Parkplatz ist gefüllt
mit über 30 alten Gangsterlimousinen von Citroên,
die Hochsaison hat hier bereits begonnen. Nach einer
langen Suche komme ich auf dem Weg zum letzten Hotel
meiner Liste an einem Zeltplatz vorbei und es geht ja
nichts über eine Nacht im Zelt. Also bleibe ich
hier. Paradoxerweise findet das Folklore-Festival direkt
vor dem Zeltplatz statt, so dass ich offenbar viel
dichter dran bin, als all die anderen Besucher. Dabei
finde ich die laute Musik eher nervig. Ich bin aber
doch ziemlich kaputt und schlafe schneller ein, als ich
gedacht habe.
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   Es ist Sonntag und
der große Sprung in die Heimat liegt vor mir. Aber
etwas Urlaub will ich der Reise noch abtrotzen und so fahre ich
gleich morgens nach Chartres südwestlich von Paris, wo
eine der großen gotischen Kathedralen steht.
Der Weg zur Kathedrale ist leicht zu finden, schon bei der
Anfahrt auf Chartres erhebt sich die riesige Kirche
über alle Häuser der Stadt, sie dominiert
die ganze Ebene, in der Chartres liegt. Die Kathedrale
selbst ist ein wirklicher Schatz, sie gehört zum
Unesco Weltkulturerbe und ist einer der wenigen Orte,
wo noch viele mittelalterliche Glasmalereien
original erhalten geblieben sind. Ebenfalls berühmt ist
der Bau für sein unzähligen Figuren, die sich
in den drei großen Portalen der Kirche befinden.
Besonder liebgewonnen habe ich jene Figuren, die Tiere
und Wesen darstellen, die die ausführenden Künstler
offenbar noch niemals gesehen hatten. So befindet sich
am Nordportal in einer Reihe von Sternzeichenfiguren auch
ein Skorpion, der bis auf seine sechs Beine ziemlich wenig
mit dem Original gemeinsam hat. Ebenso geht es den
zahlreichen Darstellungen von Löwen an den Portalen.
Den ganzen Vormittag verbringe ich damit, die Kathedrale
zu erkunden, dann geht es auf die lange Reise zurück
nach Deutschland.
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Über Paris geht es ostwärts
nach Luxembourg (das erstaunlich niedrige Benzinpreise hat),
von dort über Bitburg in Richtung Köln. Hier
gilt es dann, einen üblen Stau recht weiträumig
zu umfahren, über Dortmund schaffe ich es noch bis
nach Münster. Dort übernachte ich auf dem
4-Sterne-Campingplatz, eine Einrichtung, die als
Gelddruckmaschine gedacht ist: Warmes Duschen kostet
extra, die normale Übernachtungspauschale
für Auto, Zelt und eine Person ist astronomisch
hoch, so dass ich mein Auto vor dem Campingplatz abstelle.
Am nächsten Morgen fahre ich noch gute Freunde
in Münster besuchen, mein Frühstück dort
geht von etwa 9:00 bis 15:00. Nach einem Besuch auf dem
Friedhof treffe ich auch noch meinen Chef in einem Cafe am
Aasee, und erst recht spät abends geht es dann endgültig
zurück nach Hamburg. Was für ein Urlaub! Im Prinzip
eine richtige Weltreise mit unglaublich vielen schönen
Eindrücken, und das in nur 11 Tagen. Natürlich
wäre etwas mehr Zeit an vielen Stellen schön
gewesen, gerne hätte ich noch mehr Bergsteige-Erfahrungen
gesammelt und noch mehr Orte am Wegesrand besucht. Aber
mehr war einfach nicht zu schaffen und erschöpft und
glücklich schlafe ich mal wieder in einem richtigen
Bett ein.
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Literatur:
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Pyrenäen-Handbuch. Michael Schuh. Reise Know-How
Verlag Peter Rump GmbH, Bielefeld, 2003.
ISBN: 3-8317-1164-X.
Pyrenäen - Frankreich, Andorra, Spanien. Tobias Büscher.
DuMont Reiseverlag, Köln, 2003. ISBN: 3-7701-6039-8.
Weitere Literaturverweise und Links gibt es in den
Seiten zu den einzelnen Orten, die im Text verlinkt sind.
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Anregungen, Lob und Kritik nehme ich gerne entgegen.
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