|
Im August 1998 waren wir in Island. Die Reisegruppe bestand aus
Silke & mir, zwei ausgesuchten Fahrrädern, einem
Zelt und einer Menge Abenteuerlust. Die Flugreise war
einigermaßen unkompliziert, wenn man die Bahnfahrt nach
Düsseldorf außer Acht läßt. Nachts um
kurz vor 0:00 kommt man in Kevlavik (dem einzigen internationalen
Flughafen Islands) an. Das ist jedoch nicht weiter schlimm,
da vom nahegelegenen Campingplatz dort schon ein Bus wartet,
der die Zeltbesessenen ans Ziel bringt. Kleine erste Hürde
ist der Zeltaufbau in dunkler Nacht. Der Campingplatz ist
sehr empfehlenswert, es besteht die Möglichkeit,
in Ruhe die Fahrräder zu montieren und auch einiges an
Material (z.B. Fahrradkartons) während des Islandaufenhalts
dort einzulagern.
Unsere Reiseroute lief zunächst an der Südküste
der Halbinsel entlang nach Osten. Bereits am ersten Tag haben
wir dabei festgestellt, was Island an Anstrengungen zu bieten
hat. Das Ende der Etappe verlief auf einer Schotterpiste,
Schlaglöcher und heftige Steigungen an jeder Stelle,
ein Platten, abends wurde es dann auch noch kalt.
Kurz und gut: Wir haben unser Tagespensum bei weitem
nicht geschafft und durften uns deswegen auch noch
nach einer geeigneten Zeltstelle im Naturschutzgebiet
umsehen. Zelten ist da eigentlich nicht erlaubt, es gab
jedoch einen Zeltplatz, der offenbar nicht in Betrieb
war, den wir jedoch gerne genutzt haben.
Das
Wetter in Island macht eine solche Reise zu einer
echten Herausforderung, wie wir im weiteren Verlauf
feststellen mußten. Eine Reise durch das Landesinnere,
das Hochland, kommt ohnehin nur im Juli oder August in
Betracht. Manche Pässe werden erst Anfang Juli freigegeben,
vorher sind sie wegen Regen und Schneeschmelze nicht zu
befahren. Etwa ein Drittel unserer Tage in Island hat es
stark geregnet, Kleidung zu trocknen wird dann zu einem
kleinen Problem, insbesondere, wenn man in der Wildnis oder
auf kleinen Campingplätzen ohne Trockenraum zeltet.
Wer aber mit diesen Dingen leben kann und auch bei Windstärke
8 (je nach Aufenthaltsort im stürmischen Regen oder
im Sandsturm) noch keine schlechte Laune bekommt, der hat
mit Island SEIN Reiseland entdeckt.
Unsere
Reise führte uns von nun an direkt nach Osten,
zunächst nach Þorlákshöfn. Dies ist
ein nicht überragend schöner Ort, allerdings mit
einem kleinen Zeltplatz am Schwimmbad, auf den der Wind
direkt vom nahen Meer herüberweht. Wer keine Angst um
sein Zelt hat, fühlt sich hier bestimmt geborgen.
Weiter gings über Selfoss, Hella und Laugaland zum
Riesencampingplatz Galtalækjarskógur. Wenn
nicht gerade das Riesenkonzert am ersten Augustwochenende
läuft, läßt es sich hier mit Blick auf
die Hekla, einen großen Vulkan, prima aushalten.
Geht man am Ufer des Flusses am Rande des Campingplatzes
ein wenig entlang, so findet man auch eine Stelle, an
der offenbar einige Sedimentschichten von Wind und Wetter
zu seltsamer Gestalt geformt wurden.
Von
nun an führt der Weg ins Hochland von Island.
Das bedeutet Natur pur: Keine asphaltierten Wege,
keine überbrückten Flüsse, Wüste
und die einsame Straße. Mit dem Auto schon streckenweise
nicht einfach (nichts für normale Stadt-Autos),
mit dem Fahrrad unglaublich anstrengend und unglaublich
schön. Die Landschaft wird immer schöner,
und nach mancher Strapaze erreicht man
Landmannalaugar einen wirklich märchenhaften Platz. Landmannalaugar
bedeutet übersetzt "Die warmen Quellen der Landmänner",
hier fließen ein kalter und ein siedend heißer
Fluß in einem kleinen Becken zusammen. Je nach
Abstand zum heißen Zulauf des Beckens kann man
sich die geeignete Badetemperatur aussuchen. Drumherum die
bunten Berge aus Ryolith-Gestein, eine unglaubliche
Gegend. Auf jeden Fall sollte man einmal dem etwas beschwerlichen
Weg entlang des Lavastromes folgen, um oben am Berg die
Schwefeldämpfe zu schnuppern, die feucht und warm
hier aus der Erde steigen. Die Erde ist hier völlig
gelb und übersät mit kleinen Schwefelkristallen.
In den Haaren sammelt sich sofort der Wasserdampf, so daß
sich überall kleine Wassertropfen bilden. Von hier oben
kann man auch prima überblicken, wie sich der Lavastrom
aus dem Berg bis in das Tal ergossen hat.
Von
Landmannalaugar aus sind wir zunächst nach Osten
die F22 entlang gefahren, die später dann in Richtung
Südküste abbiegt. Eine Etappe, bei der mehrere
Flüsse gefurtet werden müssen und die einige heftige
Steigungen zu bieten hat. Dafür trifft man auf eine
phantastische Landschaft mit außergewöhnlichen
Felsformationen. Der Ausblick von so manchem Punkt ist
unbezahlbar und das anstrengende Radfahren wird mehr als
belohnt. Im Auto entgeht einem da doch so einiges. Das Ende
der Etappe bildet die Eldgjá, die mit 40km Länge
der längste Spaltenvulkan der Erde ist. Diese Eruptionsspalte
tat sich im 18. Jahrhundert auf und gibt noch heute einen
Eindruck von den mächtigen Kräften der Natur, insbesonders
wenn man in der Spalte steht und zu beiden Seiten so weit das
Auge reicht diesen Riß durch die Erde verfolgen kann.
Bekannt ist auch der Ófærufoss, ein kleiner
Wasserfall, der sich in die Felsspalte ergießt und bis vor
einigen Jahren von einer kleinen natürlichen Brücke
überspannt wurde (heute ist sie eingestürzt).
Der
Hof Búland ist die einzige Zeltmöglichkeit
hier, die Umgegend der Eldgjá ist ein großes
Naturschutzgebiet. Entsprechend teuer ist das Zelten hier
auch (und das Duschen!). Von hier aus sollten wir unsere
heftigste Etappe starten. In der Talsenke hatten wir uns
zwar schon auf einen leichten, anhaltenden Nieselregen
eingestellt, als wir dann aber aus der Senke herauskamen,
erfaßte uns ein heftiger Wind. Die Fahrräder waren
kaum zu halten (zumal mit dem ganzen Gepäck), der Wind
fing sich in den Fahrradtaschen und peitschte uns der Regen
ins Gesicht. Wie wir später erfahren sollten, hatte uns
ein Sturm mit Windstärke 8 einen Strich durch die
Rechnung gemacht. Umkehren wollten wir nun wirklich nicht,
also wurde gekämpft, bis die Kräfte nachließen.
8 Stunden später hatten wir die sensationelle Leistung von
30km absolviert, bauten unser Zelt kurz hinterm Straßengraben
auf und fielen völlig erschöpft um. Mein Fahrrad
wurde mir vom Wind einmal beim Schieben aus der Hand gerissen,
beim Sturz brach der hintere Gepäckträger an mehreren
Schweißnähten. Zum Glück hatten wir, dem
Rad-Reiseführer folgend, Schlauchschellen dabei, mit denen
man solche Defekte gut beheben kann. Andere Radler hatten
an diesem Tag ebenfalls kein Glück. Ein Pärchen, das
von Landmannalaugar nach Norden durch die Sprengisandur fuhr,
brach die Etappe in dem Sandsturm ab und kehrte nach
Landmannalaugar zurück. Sie benutzten
für die nächsten Etappen erst einmal den Bus...
Die nächsten Etappen sollten sich deutlich freundlicher
gestalten. An der Südküste in Richtung Osten
fährt man durch die Sander der Skeiðará. Eine
Wüste aus schwarzem Sand, die vom Gletscher hier
abgelagert wurde. Im Sommer besteht Sandsturmgefahr,
abseits der Straße muß man sich vor Treibsand
hüten. Auf das Wetter sollte man vor der Durchquerung
achten, denn ein Zelt läßt sich hier im Gletschersand
kaum aufbauen. Im Trockenen und in einem herrlichen Schwung
absolvieren wir auch diese steigungslose Etappe und landen
an einem weiteren Höhepunkt der Reise: im Skaftafell
Nationalpark. Hier hat man einen Teil des Vatnajökull,
einem riesigen Plateaugletscher, zum Nationalpark erklärt.
Skaftafell liegt in einem relativ windgeschützten Winkel
des Gletschers, so daß hier die Erosion nicht zu
heftig am wirken ist. Daher wachsen hier sogar halbhohe
Bäume, während diese im Rest von Island eher
selten sind. Empfehlenswert ist eine Wanderung zur westlichsten
Gletscherlagune. Hier trifft man zunehmend weniger Touristen an
(zumindest bei schlechtem Wetter wie auf unserer Tour) und
kann die einsame Gletscherlagune in Ruhe in Augenschein nehmen.
Weiter
ging es nun wieder mit dem Fahrrad bis zur nächsten
Attraktion: Die Gletscherlagune Jökulsárlón.
Kurz vorher gibt es noch eine weitere Lagune
(Breiðárlón), die jedoch nicht ganz so
phantastisch ist wie Jökulsárlón, dafür
allerdings auch nicht so stark bevölkert von Touristen.
Auf der Lagune Jökulsárlón treiben viele
kleine Eisberge umher, die von der Gletscherkante abgebrochen
sind. Sie schmelzen hier so lange vor sich hin, bis sie
klein genug sind, um vom ablaufenden Wasser gen Meer
geschwemmt zu werden. Leider fahren alle paar Minuten
Boote mit Touristen über den See, so daß das
ruhige Wasser aufgewühlt wird. Die Bootsfahrt ist
superteuer, dafür aber umso kürzer und bringt
die Eisberge auch nicht viel näher als ein
Spaziergang entlang des Ufers. Schön wird die Lagune
gegen 17 bis 18 Uhr, wenn die letzten Touristenbusse
weggefahren sind. Nun können die wenigen Individualreisenden,
die auf dem kleinen Wiesenstück am Souvenirshop
ihre Zelte aufgebaut haben, in Ruhe die Sonne über
den Eisbergen untergehen sehen, wobei sich Himmel und
Wasser rot färben und sich in ein Feuerwerk von Farben
verwandeln.
Weiter führte uns die Reise an der Längsseite
des Vatnajökull entlang bis nach Höfn. Bei strahlendem
Sonnenschein radelten wir an den vielen Gletscherzungen vorbei,
von denen stets ein eisiger Wind zu uns herüberwehte.
Vor jeder Gletscherzunge also die Jacken anziehen, ist man
vorbei, darf man sich des Teils wieder entledigen.
Die Etappe nach Höfn war eine der längsten unserer
Tour, ließ sich aber auf Grund des sonnigen Wetters
und der nicht vorhandenen Steigungen leicht bewältigen.
Von Höfn aus nehmen wir am folgenden Tag den Bus,
um in dem uns zur Verfügung stehenden Monat auch noch
andere Gegenden Islands zu bereisen.
 Die
Busfahrt führt uns an den Mývatn, was soviel wie
Mückensee bedeutet. Der See ist bekannt für
seine vielen Vogelarten, die hier den Sommer verbringen.
Und diese wiederum kommen wegen der vielen kleinen
Fluginsekten, die hier so zahlreich in der Luft umherschwirren,
daß sie eine echte Plage sind. Sie können
offenbar nicht stechen, aber man sollte beim Radfahren
immer den Mund geschlossen halten... In der Nähe des
Mývatn befindet sich ein sehr aktives Vulkangebiet. Hier
kann man Erdspalten, Vulkankrater, brodelnde Schlammlöcher
und Solfataren (Schwefelquellen) beobachten. Silke durfte
oben auf dem Kraterrand der Krafla ihren dreißigsten
Geburtstag begehen und fernab jeglicher Zivilisation zwei
eigens zu diesem Zweck mitgebrachte Türklinken putzen.
Neben der Krafla befindet sich das noch dampfende, heiße
Lavafeld eines Ausbruchs von 1984. Die Lava ist hier noch
total schwarz, weder Moose noch Flechten haben sich hier
bereits angesiedelt.
Die Abwärme der Lavafelder wird übrigens
als Energiequelle genutzt, es gibt manchmal auch Führungen
durch das Kraftwerk. Nach einigen Trips zu Fuß und
mit dem Fahrrad durch diese unwirkliche Umgebung führte
uns der Bus weiter bis nach Akureyri, der Hauptstadt des
Nordens. Hier haben wir das einzige Mal in einem
Hotel übernachtet (ich habe es im Zelt nicht mehr
ausgehalten) und haben einmal den botanischen Garten (!!!)
besucht, bevor wir mit dem Bus den Westen Islands anfuhren.
Bei Dalsmynni
haben wir uns vom Busfahrer absetzen lassen, um an der
Wegkreuzung dort von der Ringstraße abzubiegen und
die Halbinsel Snæfellsnes zu erkunden. Diese wird
oft als "Island in der Nußschale" beschrieben, da
hier viele der isländischen Besonderheiten (z.B. Lavafelder,
Gletscher, Fjorde und erloschen Krater) auf engem Raum
besichtigt werden können. Ziemlich am westlichen
Ende der Halbinsel steht denn auch noch der Gletscher
Snæfellsjökull, ein relativ kleiner
Eisklotz, unter dem ein erloschener Kegelvulkan liegt.
Hier ließ Jules Verne übrigens seine
Helden in Reise zum Mittelpunkt der Erde
in die Tiefe steigen. Für uns war Snæfellsnes
einfach nur eine wundervolle Landschaft. Auf dem Weg entlang
der Nordküste bis nach Stykkishólmur konnten wir
uns an Blaubeeren richtig satt essen (es gibt dort einige
etwas abseits der Straße) und im Ort
lachte uns ein herrlicher Sonnenuntergang an. Am Beginn
der Stichstraße nach Stykkishólmur haben wir
am Straßenrand noch schöne Muschelschalen in
Mengen gefunden, wir haben das Rätsel, wie diese
hierher gelangt sind, jedoch nicht lösen können.
 Stykkishólmur
selbst ist hübsch, ein malerischer
Fischerhafen, ein schöner Blick auf die zahlreichen
kleinen Inseln im Fjord Breiðafjörður, und
eine merkwürdig anmutende
postmoderne Kirche kennzeichnen ihn. Es gibt einen netten
Campingplatz und ein Hostel im Ort, wobei das schwarze
Brett im Hostel gut geeignet ist, sich über weitere
Aktivitäten zu informieren. Wir haben mit einem der
Einwohner eine Bootsfahrt durch den Fjord gemacht, dabei auch
eine der Inseln erkundet und über die Vogelwelt hier
gestaunt. Es war schon Ende August, so daß wir hier
nur einzelne Papageientaucher gesehen haben, die meisten
waren wohl schon wieder auf der Reise. Aber endlos viele
Kormorane und auch einige Seehunde waren unsere Fotomodelle,
und die Landschaft ist wirklich etwas für das Auge.
Die Inseln selbst bestehen aus Basalt, der sich oftmals
in Reihen aus sechseckigen Säulen um die Inseln zieht.
Dieses Phänomen kann man in Island an mehreren Stellen
beobachten, in Irland kommt es nur an der Nordküste
vor (der Giant's Causeway), auf Hawaii sind
auch hin und wieder die basaltenen Sechsecke zu finden.
Unser Führer und Kapitän hat uns auch noch gezeigt,
wie groß der Fischreichtum in diesem Gebiet ist,
einen bloßen Haken nur eine Minute durch das Wasser
gezogen, und schon gab es Fischfilet für die
Passagiere (wir waren zu viert).
 Von Stykkishólmur aus haben wir auch eine Fahrt mit
der Fähre über den Fjord gemacht, die Fahrt beinhaltet
einen Zwischenstop auf der Insel Flatey und geht dann nach
Brjánslækur. Dieser Ort ist ein guter
Ausgangspunkt für eine Tour durch die Westfjorde,
den einsamen Nordwesten Islands. Wir hingegen hatten
nur ein ganz bestimmtes Ziel: Suturbrandsgil. Der Name
bezeichnet eine kleine Felsschlucht, mit der es eine
geologische Bewandnis hat. Es ist eine der wenigen Stellen
auf Island, an der es Sedimentgestein gibt, und wohl die
einzige Stelle, an der man Versteinerungen von Pflanzen
gefunden hat. Anhand der Funde von Suturbrandsgil hat man
sich ein Bild der Flora der vergangenen Jahrmillionen
machen können. Der Fundort steht unter Naturschutz
und das Mitnehmen von Versteinerungen ist streng untersagt.
Wir haben einige Stücke gesucht und gefunden und
sind dem guten Vorbild einiger voriger Besucher gefolgt:
Wir haben die Steine gut sichtbar auf Felsblöcke
gelegt, sie dort fotografiert, und sie für unsere
Nachfolger dort liegen gelassen.
Suturbrandsgil liegt übrigens auf einem
Privatgründstück, so daß man den Besitzer
des zugehörigen Hofes um Erlaubnis fragen sollte,
bevor man dort hinwandert. Wir fanden im Gehöft nur
den Senior der Familie, der kein Wort Englisch verstand.
Nachdem wir in unserer Verzweiflung ihm den Namen
"Suturbrandsgil" in unserem Reiseführer gezeigt
haben, antwortete er mit einer unendlich tiefen,
freundlichen Stimme mit einem betonten "Uppa" (was
wohl soviel bedeutet wie "Dort hinauf"), wobei er in
Richtung der Schlucht zeigte. Wir haben diese freundliche
Geste wohl zu Recht als Erlaubnis interpretiert und
uns auf den Weg gemacht. Die Wanderung führt an einem
Bach entlang durch immer felsigere Wiesen, stets ein wenig
bergauf, bis man nach einer guten halben oder dreiviertel
Stunde das Zeil erreicht. Auf dem Weg haben wir auch einige
beachtlich schöne, große Flechten bestaunen
können (insbesondere ich, Silke als diplomierte
Mikrobiologin kannte so etwas schon von Expeditionen
nach Sibirien und sonst wo her und konnte ganze Vorträge
dazu halten).
 Die Schlucht selbst ist
wunderschön und recht einsam (wir waren alleine
dort), und es war einer der seltenen Sonnentage unseres
Urlaubs. Nach einer ersten Erkundung hat Silke die Ruhe
sichtlich genossen, während ich noch weiter
fotografiert habe. Was für ein wunderbarer Ort, was
für ein gemütlicher Tag. Die Bilder sagen wohl alles...
Wir sind am selben Tag mit der Fähre wieder nach
Stykkishólmur zurückgefahren, wobei wir noch
einen schönen Sonnenuntergang zu sehen bekamen. Dieser
Tag alleine war schon die ganze Island-Reise wert.
Am
nächsten Tag ging es wieder mit dem Fahrrad weiter,
die Westspitze der Halbinsel wollten wir umrunden, um uns
so langsam wieder Richtung Reykjavík zu bewegen.
Aber erst einmal gings es herum um den Snæfellsjökull
mit seinem eisigen Gipfel. Auf diesem Weg begegnet man
vielen kleinen Vulkankegeln und einigen warhaft
merkwürdig geformten Felsen. Einer davon ist der
Kirkjufell (Kirchenfelsen), der wirklich den Eindruck einer
gotischen Kathedrale mit ihren Strebepfeilern macht.
Direkt an der Nordspitze neben dem Leuchtturm gibt es
die Felsen Lóndrangar, zwei spitze Felsnadeln direkt an
der Küste. Hier war heftiger Regen unser Begleiter,
so daß wir die Stichstraßen, die zu einigen
schönen Buchten führen, allesamt ausgelassen
haben. Der Wind wurde immer stärker, mein Tachometer
bekam erste Aussetzer vom Regen (und zeigte zwischendurch
dann auch mal 247 Stundenkilometer an) und wir wurden
immer matter. Etwas erschlagen kamen wir in Buðir
an, einem sehr vornehmen Hotel mit winzigem Zeltplatz,
wo wir schnell unser Zelt aufbauten und noch schneller
in den Erschöpfungsschlaf fielen. Dafür hatten
wir am nächsten Tag bestes Wetter und eine Straße,
die sich vom Fels- und Sandweg zu einer glatten Asphaltpiste
entwickelte. Nach den ersten 50 Kilometern hatte Silke
Schwierigkeiten mit den Handgelenken, so daß wir
die Fahrräder tauschten. An meinem Rennlenker
sollte sie eine bessere Griffposition finden. Das klappte
offenbar so gut, daß Silke mir auf dieser Etappe
glatt davon fuhr und wir erst nach weit mehr als 100
Kilometern in Borganes Halt machten.
Borganes ist recht malerisch am Fjord gelegen,
aber das Wetter war nicht sehr einladend, so daß
wir uns gleich am nächsten Tag auf die Weiterreise
machten. Hierfür benutzten wir den Bus, da man den
Tunnel unter dem Fjord nicht mit dem Fahrrad benutzen
darf und wir nicht bei Regen einmal drum herum radeln
wollten. Daher fuhren wir direkt nach Reykjavík
durch, wobei das Wetter auch hier nicht besser war.
Die Region von Reykjavík beherbergt etwa 200.000
Einwohner Islands, also etwa 2 zwei Drittel. Da offenbar
kein vernunftbegabter Isländer auch nur auf die Idee
käme, sich mit dem Fahrrad zu bewegen, nehmen auch
die Autofahrer keinerlei Rücksicht auf Radfahrer.
Wir wurden mehrmals von Autofahrern völlig
durchnäßt, die neben uns mit unverminderter
Geschwindigkeit durch tiefe Pfützen fuhren. Nach nur
einem Tag hatten wir deshalb genug (obwohl man in Reykjavík
nett einkaufen kann) und besuchten die Geysire und den
Wasserfall Gullfoss, diesmal mit dem Linienbus.
Der Gullfoss ist riesig, er fällt über zwei
schräg versetzte Stufen in einen 70 Meter tiefen
Canyon, und überall ist weißer Wasserdampf.
Den Canyon hat der Gulfoss im Laufe der Jahrtausende selbst
in das Basaltgestein gegraben, an seinem Ufer sind wieder
die typischen sechseckigen Basaltsäulen zu sehen.
Eine Art natürlicher Terrasse ermöglicht, direkt
auf der Höhe des Zuflusses am Wasser zu stehen und
diesem mit dem Blick in die Tiefe zu folgen.
Nur
eine kurze Busfahrt vom Gulfoss entfernt ist
die wohl berühmteste Sehenswürdigkeit Islands
zu sehen, der Geysir (der dieser Art von Naturerscheinung
den Namen gegeben hat). Der Geysir selbst ist mittlerweile
nur noch sehr wenig aktiv, aber direkt daneben gibt
es einen weiteren, den Strokkur (deutsch:
Butterfaß), der regelmäßig etwa
alle 10 Minuten seine bis zu 25m hohe Wasserfontäne
in die Luft wirbelt. Interessant ist es, beim
Ausbruch des Strokkurs genau hinzusehen. Zuerst bildet
sich eine tiefblaue Wasserglocke, die zunächst
langsam in die Höhe wächst. Dann wird diese
durch eine plötzlich in der Mitte aufsteigende,
dünne Wassersäule zerrissen, die in die Höhe
schießt. Die Wasserglocke ist eigentlich viel bizarrer
anzusehen als die bekannte, weiße Wasserfontäne,
wie die Bilder vielleicht zeigen. Einige Becken mit heißem,
brodelndem Wasser laden zu einer weiteren Erkundung dieser
dampfenden Landschaft ein, so daß man den Touristenmengen
ein wenig ausweichen kann.
Nach einem weiteren, recht regnerischen Tag in
Reykjavík sind wir bei freundlichem Wetter ein
letztes Mal aufgebrochen, um zum Flughafen zu gelangen.
Eine einfache, ebene Etappe führte uns ein letztes
Mal durch die Lavafelder Islands, diesmal jedoch an der
recht befahrenen Straße entlang. In Keflavík
angekommen mußten wir wieder unsere Fahrräder
preparieren, sie diesmal sogar einpacken in entsprechend
große Plastikbeutel und uns ein wenig beim
Check-In mit dem Flughafen-Personal herumschlagen, die
unser Fahrrad mit ins Freigepäck einrechnen wollten.
Aber auch dieses Problem ließ sich lösen,
so daß wir wieder mitten in der Nacht dieses
Land verließen, in dem wir einen Monat lang
unterwegs waren. Nach 32 Reisetagen, mehr als
1700 Fahrradkilometern, mit 7 kg weniger Körpergewicht
und mit vielen unvergesslichen Erinnerungen waren
wir trotzdem auch wieder froh, in die Zivilisation
zurückzukehren. Ich wußte gar nicht, wie
sehr man sich einfach nur über ein schönes
warmes Bett oder sogar ein sauberes, gebügeltes
Hemd freuen kann... ;-)
|