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Zwischen Sydney und Melbourne befindet sich
der höchste Teil der australischen Alpen. Die normalen
Reiserouten führen entweder nördlich
(Hume Highway) oder entlang der Ostküste (Princess Highway)
drum herum, was diesen Gegenden sehr gut tut: Hier gibt
es Bergwelt und Natur pur. Die zentralen Teile des Gebirges
liegen im Kosciuszko und im Alpine Nationalpark, für die
man als Radfahrer keinen Eintritt bezahlen muss. Dafür
kostet es natürlich jede Menge Schweiss, hier mitten durch
die Berge zu radeln. Ein schönes Erlebnis.
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Zum Glück habe ich in Sydney
zufälligerweise Andrea kennengelernt, die nach einem einzigen Blick auf meine
geplante Reiseroute sofort zugesagt hat, mitzuradeln.
Ich bin noch eine Weile in Sydney geblieben, während
Andrea schon vorausgefahren ist. Mit dem Bus habe ich sie
dann in Gundagai direkt nördlich des Kosciuszko Nationalparks
eingeholt und wir haben die Berge dann gemeinsam durchquert.
Eine wirklich wunderschöne Fahrt, danke Andrea!
Alleine hätte das nur halb so viel Spaß gemacht.
Die Karte zeigt unseren Weg durch die beiden Nationalparks
(die orangen Quadrate sind die wesentlichen Orte, die
Ortsnamen werden angezeigt, wenn man mit dem Mauszeiger
darauf zeigt).
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  Von Gundagai
sind wir am ersten Tag bis nach Tumut geradelt, keine
weite Strecke, aber durchaus schon recht hügelig.
Die Landschaft hier ist lieblich, saftige Weiden,
sanfte Hügel, es sieht irgendwie ein wenig
surreal aus, wie in einem kitschigen Film.
Bergauf, bergab erreichen wir am abend Tumut,
die letzte Ortschaft vor dem Nationalpark. Hier
machen wir uns auf dem Zeltplatz breit. Beim Abendbrot
in der Dämmerung besuchen uns noch ein paar
Possums, die wir zuerst natürlich sehr niedlich
finden, die hier aber offenbar oft gefüttert worden
sind. Sie scheuen nicht davor zurück, auf dem
Tisch und unseren Fahrradtaschen herumzuklettern,
um Nahrung abzustauben und wenn man sie mit der
Hand wegschubst, beissen sie! Füttern von Wildtieren
gehört einfach verboten (und das ist es in den Parks auch).
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  Am nächsten Tag
geht es los, auf in den Nationalpark. In Tumut nutzen
wir die vorerst letzte Gelegenheit, noch einmal
richtig einzukaufen (und finden hier im Supermarkt
das erste mal in Australien ein richtiges Sauerteig-Brot!),
dann beginnt der lange Weg hinauf in die Berge. Nach einigem
bergauf erreichen wir die Parkgrenze, dann geht es eine
ganze Weile am Blowering Reservoir entlang,
ein schöner Blick auf den See wird angereichert durch
einige Emus, die auf den Uferwiesen laufen. Am Wegesrand
leider unendlich viele tote Känguruhs, es sind
die großen Riesenkänguruhs, deren Verwesungsgeruch
bereits einige Meter vorher bemerkbar ist. Autofahrer sollten
offenbar die Warnschilder etwas ernster nehmen. Die Landschaft
wird zwischendurch ein wenig surreal: Im violetten Blütenmeer
der Wildwiesen wachsen hellgrüne Weiden.
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  Dann geht
es wieder richtig bergauf, wir erklimmen die Cumberland
Range, mit 1183m Höhe der höchste
Punkt dieser Etappe. Dort oben finden wir auch ein
sehr schönes Schild, das uns den Höhenverlauf
der Straße zeigt. Nebenbei zeigt das Schild übrigens
auch, dass sich einige Australier nicht an das Verbot
von Schusswaffen im Park halten: Es ist offenbar schon von
einigen Kugeln durchlöchert worden! Hier oben kündigt
sich auch ein Wetterwechsel an: Es fängt an zu
regnen. Immer grauer wird der Himmel, und als wir in
Yarrangobilly ankommen,
müssen wir uns im strömenden Regen erst einmal
unterstellen, bevor wir die Zelte in einer kurzen Regenpause
aufbauen können.
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  In Yarrangobilly machen
bleiben wir die nächsten zwei Nächte, da das
Wetter weiterhin recht viel Regen für uns bereit
hält. Wir kochen im trockenen Unterstand der
Hütte am Zeltplatz, dem letzten Gebäude, das von der
ehemaligen Siedlung hier übrig geblieben ist.
Zwischendurch nutze ich die Regenpausen, um mich noch
ein wenig umzusehen. Oben auf dem nahegelegenen Hügel
betrachte ich das erste mal die Eukalypten, die noch
deutlich Spuren eines Buschfeuers aufweisen, aber alle
wieder ausschlagen. In der Nähe gibt es noch
den ehemaligen Friedhof von Yarrangobilly zu sehen, der
etwas abseits der Straße liegt.
Und nicht zuletzt ist die Landschaft hier einfach wunderschön,
so dass der Pausentag nicht wirklich vertan ist.
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 Der nächste
Tag hat einige Highlights der Tour für uns zu bieten.
Da erste sind die Yarrangobilly Caves, einige Tropfsteinhöhlen,
die allerdings ab von der Straße unten im Tal liegen.
So fahren wir nach einer heftigen Steigung wieder hinunter
und besuchen die Jersey Cave und die Glory Hole Cave.
Die Jersey Cave ist nur im Rahmen einer geführten Tour
zu besichtigen, eine Ex-Schweizerin macht eine sehr, sehr
gute Führung mit uns, wobei sie keine Antwort auf
die vielen Fragen schuldig bleibt. Und die Höhle selbst
ist ein Juwel, wenn auch in der Vergangenheit einige
Gesteinsformationen künstlich etwas umarrangiert
wurden, um die frühen Besucher dieser Hölen zu
beeindrucken. Die Glory Hole Cave kann man ohne Begleitung
betreten, beeindruckend sind hier weniger die Tropfsteine,
sondern die riesige Eingangshalle, deren Dach eingestürzt
ist und den Blick in den Himmel freigibt.
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Nach dem Besuch der Höhlen
folgt das zweite Highlight des Tages: Der Aufstieg auf die
Great Dividing Range. Erst ein steiles Stück wieder hoch
bis zum Highway, der dann ebenfalls weiter nach oben
führt. Ein eisiger Wind fegt hier oben über
die Berge, die Bäume lichten sich und geben den
Blick auf eine schöne Hochmoorlandschaft frei.
Hier oben erreichen wir den höchsten Punkt unserer
ersten Strecke durch den Kosciuszko Nationalpark, 1490m über
dem Meeresspiegel. Mittlerweile zieht sich auch das Wetter
immer mehr zu, ob wir wohl den Rest des Tages auch noch so
halbwegs trocken davon kommen?
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 "Nein" lautet die
klare Antwort auf diese Frage. Kurz nach dem wir bei
Kiandra gen Osten vom Highway abgebogen sind, erreicht
uns der Regen, in der Ferne schon das Donnergrollen:
So ein Wetter in den ungeschützten Bergen, das
kann ja heiter werden. Und es kommt sogar noch ein wenig
schlimmer: Es beginnt heftig zu Hageln. Die Eiskörner
bleiben auf der Straße liegen und bilden eine
Eisschicht, und zu guter letzt zieht noch Nebel auf.
Na prima. Es ist so kalt hier oben, dass wir am
Zeltplatz einfach vorbeifahren, notfalls würden
wir auch schiebend noch die Ortschaft Cabramurra erreichen.
Und schieben müssen wir dann auch eine Weile: Bergab
kann man auf der vereisten Straße nämlich
nicht bremsen!
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Das Wetter bessert sich
nach einer Weile noch etwas, radelnd erreichen wir Cabramurra,
die höchste Stadt Australiens. Cabramurra wurde
extra als Siedlung für die Angestellten der
Kraftwerke gebaut, die hier in der Abgeschiedenheit der
Berge für die Energieversorgung Australiens
sorgen. In einer Art Gemeindehaus, das neben einem
Pub und einer Kantine auch das Tourist Office beherbergt,
verbringen wir die Nacht: Es ist warm und geheizt, wir
machen uns einfach auf einem Gang breit und können
sogar unsere Sachen wieder trocknen.
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 Der nächste Tag führt
uns in einem dauernden Auf und Ab gen Westen, durch
Eukalyptus-Wälder, denen man die Brände der letzten
Jahre noch deutlich ansieht. Es geht vorbei an einem
weiteren Stausee, dem Tooma Reservoir, das
sehr malerisch gelegen ist. Die Straße führt über
den Staudamm, dann geht es wieder bergauf. Und nach einiger
Anstrengung kommt dann die finale Abfahrt hinaus aus den
Bergen: Wir verlassen den Nationalpark in Richtung Westen.
Und kaum ist man ein paar hundert Meter weiter unten, schon
ändert sich die Landschaft enorm: Saftige Wiesen, die
von Rindern bewohnt werden; eine grüne Ebene bildet
die Umgebung des Ortes Khancoban.
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In Khancoban zelten
wir wild hinter einer Sporthalle, zuvor decken wir uns reichlich
mit Lebensmitteln ein, wobei wir beim Einkauf noch eine
nette schweizer Reisegruppe treffen (die in 5 Wochen
ganz Australien besichtigen, also eigentlich den Großteil
des Urlaubs im Bus oder im Flieger sitzen, wow!).
Dann machen wir Rast am öffentlichen Grillplatz,
natürlich wollen auch wir die typisch australische
Angewohnheit, allüberall Barbeques zu veranstalten,
mal ausprobieren.
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 Nach einer ruhigen Nacht
brechen wir
ziemlich früh auf, ein heftiger Tag liegt vor uns:
Heute geht es das zweite mal über die Great
Dividing Range. Khancoban liegt 325 Meter über
Normal Null, von dort beginnt ein steiler Anstieg auf
insgesamt 1168m Höhe. Es liegt Frühnebel im Tal, ein
wunderschöner Anblick, und die Sonne brennt noch nicht
zu heftig. Der Anstieg ist schon anstrengend, oben wird man
jedoch auf dem Scammels Lookout mit einem herrlich weiten Blick
in die Berge belohnt. Zwischendurch kommt man übrigens
an einem der Kraftwerke hier vorbei, einige Informationstafeln
am Wegesrand erklären das Snowy Mountains Scheme,
bei dem zur Energiegewinnung gleich mehrere Flüsse umgeleitet
werden.
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  Vom Scammels Lookout
geht es in rasanter Fahrt wieder hinunter bis auf
500m, nach einigem weiteren Auf und Ab landen wir wieder
auf etwa 500m Höhe beim Zeltplatz Tom Groggin.
Es ist sehr schönes Wetter, es ist erst 14:00h und
es geht uns gut, also beschließen wir beide, nach
einer guten Pause, diesen Tag noch mit dem Anstieg
zum Dead Horse Gap zu krönen.
Dies bedeutet nach den
bisherigen ca. 65km noch einmal 12km bergan bis auf
1590m zu pedalieren, kein leichtes Unterfangen. Die ersten
5 Kilometer sind unerwartet steil, das kostet Kraft.
Dafür ist der Rest weniger heftig und gut zu meistern,
so dass wir kurz vor 18:00h am höchsten Punkt
unserer Fahrt anlanden und erst einmal "Sieger-Fotos"
von uns knippsen. Hier oben wird es recht schnell
kühl, die Sonne verliert auch schon deutlich
an wärmender Kraft, aber die Landschaft hier ist
auch wieder bezaubernd, wie immer, wenn man "ganz
weit oben" ist. Und bei der wundervollen Abfahrt hinein
bis nach Thredbo begrüßt uns ein Regenbogen, der
in den Wolken verschwindet. Was für eine Fahrt!
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Thredbo ist das
Ski-Paradies Australiens, es gibt diverse Lifte und der
Ort ist auf den ersten Blick kaum von den europäischen
Ski-Orten zu unterscheiden. Selbst der Blick in die
Schnappsläden zeugt von europäischer Tradition:
Beim Après Ski wird hier auch Jägermeister,
Kirschwasser und ähnlich furchtbares Zeug genossen.
Und natürlich stammen die Ski-Lifte von einer
schweizer Firma. Nur dass man mit dem Lift hier halt
zwischen einigen Eukalyptus-Bäumen hindurchgondelt.
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 Und genau das machen wir
dann auch am nächsten Tag: Wir nehmen den Lift, der
uns hinauf auf den 1930m hohen Mount Crackenback bringt.
Hier oben beginnt der Wanderweg, der auf den Mount Koscuiszko
führt, den höchsten Berg Australiens. Diesen Berg
zu besteigen klingt natürlich gewaltig, ist aber keine
so große Leistung, schließlich sind von hier aus
nur noch
300 Höhenmeter zu bewältigen auf einem wirklich
sehr einfachen Pfad. In jedem Fall lohnt sich der Weg,
hier oben sind wir endlich wieder in der schönen
Hochgebirgslandschaft oberhalb der Baumgrenze, es gibt noch
große Schneefelder und ich werfe meinen ersten
Schneeball auf der Südhalbkugel dieser Erde.
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 Zum Gipfel hin wird es noch
ein wenig steiler, aber selbst dieser Weg ließe sich
leicht mit einem Mountain Bike bewältigen, wenn dies nicht
explizit verboten wäre. Oben auf dem Gipfel haben wir
traumhaftes Wetter, es sind auch so einige Leute hier, die
alle mehr oder weniger damit beschäftigt sind, Gipfelfotos
zu knippsen. Den Ausblick von hier sollte man allerdings auch
noch in Ruhe genießen, die meisten Menschen verweilen hier
viel zu kurz. Nach einer ausgiebigen Brotzeit auf dem Gipfel
machen Andrea und ich uns wieder auf den Weg hinunter. Das ist
auch ganz gut so, so langsam ziehen doch einige Wolken auf.
Hinunter nach Thredbo nehmen wir nicht den Lift, sondern
wandern einfach den steilen Hang hinunter, was bergab auch
schon recht anstrengend ist. Unten in Thredbo angelangt beginnt
es auch gerade zu regnen, so dass wir zügig ins Hostel
zurückkehren und uns mächtig über die schönen
Tage bisher hier in den Bergen freuen. Lange plaudern wir noch
mit einer Mitarbeiterin des Hostels, die uns auch gute Tips
für unsere weitere Reise gibt. Und rechtzeitig geht es ins
Bett, wir wollen früh morgens weiter radeln.
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Der nächste Tag führt
uns zunächst auf einem recht stetigen Gefälle hinab
bis nach Jindabyne, eine sehr einfach Fahrt mit guten Ausblicken
in die Landschaft. Jindabyne ist der einzige größere
Ort dieser Gegend. Recht schön gelegen an einem rieisigen
See, kann es uns doch nicht lange halten: Wir kaufen nur kurz
Reiseproviant ein, versuchen noch erfolglos, unsere Bilder
von den Speicherkarten auf CD zu brennen, dann geht es
gleich wieder weiter.
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 Von Jindabyne
aus zieht es uns geradewegs in südliche Richtung, hier
beginnt der Barry Way, der direkt zur Südküste
Australiens führt und zum größten Teil nicht
asphaltiert ist. Zunächst führt die Straße
durch saftige Weiden, auf denen Rinder grasen, dann endet der
Asphalt und der Spaß beginnt: Die Strecke ist anfangs
in einem recht guten Zustand und eine berauschende,
kilometerlange Abfahrt
führt uns in langen Bögen inmitten von Eukalypten
hinab ins Flusstal des Snowy Rivers.
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Das Tal, das vom Snowy River
im laufe von vielen Jahrtausenden in die Berge gefressen wurde,
ist sehr viel breiter, als der Fluss selbst. Dies liegt
daran, dass ein Großteil des Flusswassers zur Energiegewinnung
umgeleitet wird, so dass hier nur sehr wenig Wasser dem
ursprünglichen Verlauf des Flusses folgt. Für das
Ökosystem des Tales eine mittlere Katastrophe,
trotzdem ist das Tal bildschön. Der Weg ist recht beschwerlich,
die Sandpiste ist oftmals sehr weich, zermürbend geht es
andauernd einige Meter steil bergauf und wieder bergab. Nach
111 Tageskilometern erreichen wir die Grenze zum Bundesstaat
Victoria und genau hier schlagen wir unsere Zelte auf. Das
Wetter hat uns heute gut mitgespielt, fast durchgehend
strahlender Sonnenschein, nun noch eine reichliche Mahlzeit,
dann verkrümeln wir uns in die Zelte; es wird doch
sehr schnell kalt, wenn die Sonne untergegangen ist.
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Der nächste Morgen
zeigt uns das Tal noch einmal von seiner schönsten Seite:
Über dem Fluss hängt der Frühnebel, alles
ist herrlich still. Für uns beginnt, obwohl wir es noch
nicht ahnen, der wohl anstrengendste Tag unserer Tour:
Das Wetter wechselt die Farbe in ein eintöniges Grau,
der Zustand der Piste ist ziemlich übel und wir
müssen die nächsten 20 Kilometer fast durchgehend
bergauf. Ein einziges Stück der Strecke führt
abwärts ins Tal von Suggan Buggan, und als wir unten
ankommen, reisst mir eine Speiche, natürlich im
Hinterrad auf der Ritzelseite. (Für Laien: Um diese
Speichen zu tauschen, muss man auch die Ritzel ausbauen,
also doppelte Arbeit.)
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 Nach einigem hin und her beim
Zentrieren der Felge geht es wieder weiter, von hier aus
natürlich wieder bergauf. Die Strecke wird gerade von
einem riesigen Baufahrzeug glattgehobelt, so dass wir zwar
einerseits einem mächtigen Geräuschpegel ausgesetzt
sind, andererseits bereits auf einer sehr ebenen Piste
fahren können. Als wir nach endlosen Mühen endlich
oben das Hamilton Gap erreichen, beginnt es auch noch,
in Strömen zu regnen. Mit etwas getrübter
Stimmung geht es weiter, nützt ja nichts. Unterwegs
erstehen wir noch in einer ehemaligen Tankstelle jeweils eine
Dose Cola, um unseren Zuckerpegel wieder aufzufrischen,
ich wusste gar nicht, wie gut dieses Zeug doch manchmal
schmecken kann! Im feinen Nieselregen beenden wir dann
endlich in Buchan unsere Fahrerei, nach Zelten ist uns
nicht zumute und wir nisten uns im örtlichen Hostel ein,
das ein wirklich schönes Holzhaus ist. Andererseits
hat das Hostel sicher schon bessere Tage gesehen, der
Warden verbringt den Abend damit, sich mit ein paar Kumpels
zu betrinken, das Klavier hier ist völlig verstimmt,
aber immerhin: Die Bude ist geheizt, unsere Sachen trocknen
am Kamin und wir haben einen riesigen Schlafsaal für
uns.
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Und am nächsten Tag endet dann unsere gemeinsame
Reise. Wir radeln bei zunehmend besserem Wetter auf guter
Straße, ich bin ein wenig in Eile, um vielleicht
in Bairnsdale, dem Ziel des heutigen Tages, noch einen
Zug in Richtung Melbourne zu erwischen. Ein Speichenriss
an Andreas Bike (auch am Hinterrad auf der Ritzelseite)
wird von ihr in sagenhaften 20 Minuten behoben, nichts
scheint uns heute aufzuhalten. Als wir im Ort Bruthen
ankommen, liegen wir super in der Zeit, das Wetter ist
mittlerweile sonnig und warm und wir radeln direkt durch
bis nach Bairnsdale. Hier werden noch schnell Bilder auf
CDs gebrannt und einige Emails geschrieben, ich kläre
noch telefonisch mit Jana, mit der ich bereits Segeln und
Geländewagen fahren war, wo sie mich abholen kann:
Sie hat über's Wochenende
einen Mietwagen und mir angeboten, mich einfach einzuladen und
mitzunehmen. Also trennen sich hier die Wege von Andrea und
mir: Andrea radelt weiter (und wird in Rekordzeit noch die
ganze Strecke bis nach Adelaide zurücklegen), ich
fahre ein wenig Bahn, um mir dann die
Umgebung von Melbourne anzuschauen. Lieben Dank an
Andrea für die perfekte Reisebegleitung, das hat
viel Spaß gemacht.
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Auf der nächsten Seite
folgt die Fortsetzung dieser Reise, oder es geht zurück zum Abschnitt über
Sydney.
Oder aber nach oben zum Überblick.
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Literatur:
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Australien. Anne Dehne. Stefan Loose Verlag, Berlin, 2001.
ISBN: 3-922025-58-7.
Australia Road Atlas. Lonely Planet Publications Pty Ltd,
Footscray, Victoria, Australia, August 2000.
ISBN: 1-86450-065-4.
Cycling Australia. Lonely Plane Publications Pty Ltd,
Footscray, Victoria, Australia, April 2001.
ISBN: 1-86450-166-9.
Weitere Literaturverweise und Links gibt es in den
Seiten zu den einzelnen Orten, die im Text verlinkt sind.
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Anregungen, Lob und Kritik nehme ich gerne entgegen.
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