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Der Ort Hervey Bay ist das Tor
zu Fraser Island, der größten Sandinsel der Welt,
wenn man den Werbebroschüren Glauben schenken darf.
In jedem Fall ist Fraser Island eine sehr abwechslungsreiche,
erstaunliche Insel und gehört zum UNESCO World Heritage.
Genauso sehenswert ist allerdings auch die Hervey Bay,
die halbkreisförmige, große Bucht zwischen dem
Festland und Fraser Island. Sie ist unter anderem ein
bevorzugter Aufenthaltsort von Buckelwalen.
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 Wir sind morgens nach
einer langen
Nacht im Bus in Hervey Bay angekommen, haben erst einmal
eingecheckt und waren an sich durchaus erholungsbedürftig.
Ich habe allerdings doch gleich effizient die Zeit genutzt
und uns für den Nachmittag gleich zu einer Whale Watching
Tour angemeldet. Und somit sind wir dann gegen 13:00 Uhr
in den Shuttle Bus zum Hafen gestiegen, um dort an Bord der
Tasman Venture zu gehen, einem großen Katamaran.
Das Boot macht erstaunlich viel Tempo, wir rasen förmlich
über die große Bucht, zunächst an der Westseite
von Fraser Island entlang nach Norden. Es dauert nicht lange,
bis wir die erste Begegnung mit einigen Walen haben. Wenn
die Wale sich zurückziehen, suchen wir jeweils
andere Stellen auf, wo andere Wale gesichtet wurden, insgesamt
sehen wir etwa 10 Wale. Zweimal handelt es sich um eine
Walmutter mit Jungem. Das hat für uns Neugierige den
Vorteil, dass das Waljunge noch nicht sehr lange tauchen
kann, ohne zwischendurch an der Oberfläche Luft
zu holen. Somit sind die beiden alle paar Minuten wieder
zu sehen. Die Wale sind aber auch durchaus neugierig, einmal
schwimmen Mutter und Junges direkt unter unserem Boot
hindurch. Alles in allem ein erstaunlicher Trip, zumal
ich nicht damit gerechnet hatte, dass es um diese Jahreszeit
(zweite Hälfte Oktober) noch Wale hier zu sehen gibt.
Andererseits gibt es auch erste Forschungsergebnisse, die
darauf schließen lassen, dass die Zahl der Wale hier
abnimmt, da die Tiere sich zunehmend gestört
fühlen. Wie erhält man das Interesse der Menschen
an den Wundern der Natur, ohne dass diese dabei gestört
wird?
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Die selbe Frage stellt sich natürlich
auch für Fraser Island, hier kommen an langen Wochenenden
(insbesondere um Ostern) mehrere zehntausend Menschen
vorbei, bis zu 10000 Autos sind deutlich mehr, als die
Natur hier auf Dauer verkraften kann. Wir waren in der
glücklichen Situation, recht einsam auf der Insel zu
sein, da das Wetter vorher und an unserem ersten Tag
sehr regnerisch war. Die Karte zeigt unsere gesamte
Tour (die orangen Quadrate sind die wesentlichen Orte, die
Ortsnamen werden angezeigt, wenn man mit dem Mauszeiger
darauf zeigt).
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 Zunächst
wurden die Reisenden des heutigen Tages in Gruppen
eingeteilt, wobei wir das Glück hatten, in eine
sehr nette Crew zu kommen, die gut harmonierte. Ein
paar Anleitungen per Video, noch Fragen? Keine. Dann
in die Autos. Wir fahren erst zu einer großen
Garage, um die ganze Campingausrüstung einzuladen,
dann sind wir auf uns gestellt und müssen den lokalen
Supermarkt plündern, um in den nächsten Tagen
nicht zu verhungern. Danach fahren wir hinaus nach River Head,
von wo unsere Fähre uns nach Fraser Island schifft.
An Bord sind wir nur zwei Fahrzeuge, mehr Leute hatten
bei diesem Wetter offenbar keine Lust: Auch gut.
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 Auf der
Fähre regnet es wieder in Strömen, aber
als wir ankommen, sieht es schon ein wenig heller
aus. Das Kingfisher Bay Resort besteht nur aus ein paar
Häusern, dem Fähranleger und einer Tankstelle.
Hier shoppen wir noch letzte Dinge, senken den Luftdruck
auf unseren Reifen und dann geht es los. Wir haben den
Routenvorschlag unserer Reiseveranstalter sofort
geknickt, wer will bei diesem Wetter schon an den
Lake McKenzie zum Baden? Also fahren wir direkt gen
Norden durch den Regenwald. Als die asphaltierte
Straße aufhört bin ich mir nicht sicher,
ob diese Modder-Piste wirklich die Hauptroute nach
Norden sein soll. Ist sie aber. Was auf Landkarten hier
wie Straßen aussieht, sind echte Herausforderungen
für einen Geländewagen. Aber unser Toyota Landcruiser
macht das Fahren wirklich zu einem Kinderspiel. Es geht
durch herrlichen Regenwald, hin und wieder kommen wir durch
abgebrannte Teile (was in Australien ja ganz normal ist).
Hier am Weg begegnen wir dann auch dem ersten Dingo,
einem jener wilden Hunde, die auf Fraser Island noch
sehr reinrassig sind. Schöne und auch
neugierige Tiere, aber natürlich auch noch wild
und keine Kuscheltiere.
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  Wir machen
eine recht verregnete Rast am Urang Creek, wo die
Mangroven die Landschaft bestimmen. Dann geht es noch
ein kleines Stück weiter, diesmal durch Nadelwald,
bis wir am Woody Point die Westküste der Insel
erreichen. Das Wetter klart deutlich auf, es ist sogar
erstmalig heute ein wenig Sonne zu sehen.
Hier am Strand herrscht eine einmalige Ruhe, die
Vegetation ist verblüffend, es haben sich
zwischen die Mangroven und die flechtenbewachsenen Nadelbäume
auch ein paar Kakteen gesellt, am Strand glitzern Reste
von Quallen in der Sonne. Surreal.
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 Den letzten
Zwischenstopp legen wir am Lake Garrawongera ein, der
sehr idyllisch mitten im Wald gelegen ist. Ein schöner
Sandstrand, ein erstaunlich weiter, flacher See mit
ziemlich rötlichem Wasser, leider lädt das
Wetter nicht gerade zum Baden ein. Auf dem Zeltplatz
in der Nähe wollen wir nicht die Nacht verbringen,
umzäuntes Gelände mit Rastplatz und Barbeque,
das können wir doch viel besser haben. Mittlerweile
sind wir schon ziemlich dicht an der Ostküste, also
fahren wir weiter, um uns dort ein Plätzchen zu suchen.
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 Der Strand auf der
Ostseite der Insel ist sozusagen die Autobahn auf Fraser
Island: Man kann mit bis zu 80kmh über den festen,
ebenen Boden fegen, allerdings muss man sich dabei nach Ebbe
und Flut richten, da das Fahren im Salzwasser keine gute
Idee ist. Wir heizen also ein Stück den Strand hinauf
und gelangen nach kurzer Zeit zum Eli Creek, wo wir
unsere Zelte aufbauen. Schnell wird es dunkel, was uns
nicht daran hindert, noch anständig zu grillen.
Dann geht's in die Zelte, ein wein- und bierseliger Abend
mit Gesang, fünf Nationalhymnen sind zu singen, eine
recht internationale Truppe sind wir. Trotzdem fallen uns
relativ früh die Augen zu, der Tag war doch recht lang.
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Am nächsten
Morgen geht es weiter, nachdem einige Sachen halbwegs
getrocknet sind: Es hat über nacht recht heftig
geregnet und allzu dicht sind unsere Zelte nicht.
Also durchqueren wir zunächst den Eli Creek, der
sich jedoch als nicht ernstzunehmendes Hindernis erweist.
Und dann geht es immer am Strand entlang. Nachdem ich
gestern Fahrer oder Beifahrer war, muss ich mich erst
einmal an die Enge hinten im Wagen gewöhnen, immerhin
sind wir 9 Personen im Landcruiser. Aber noch ist das
völlig unproblematisch, das wird erst anders, wenn
man durch schweres Gelände fährt, da wird man
hinten wirklich sehr durchgerüttelt.
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 Am Strand
geht es an so ziemlich allen bekannten Sehenswürdigkeiten
vorbei. Zunächst erreichen wir das Wrack der Maheno,
eines tasmanischen Passagierschiffs, das als Schrott nach
Japan verkauft wurde, aber als es dorthin geschleppt werden
sollte, hier strandete. Im zweiten Weltkrieg diente
es als Übungsziel, mittlerweile ist es nur noch
Ziel für die Kameras der Touristen. Und noch
ein Stück weiter nördlich erreichen wir die
Pinnacles, spitze Formationen aus Sand, die verschiedene
Farbschichten haben. Solche bunten Berge zeigen sich
auch auf der weiteren Strecke entlang des Strandes nach
Norden.
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Am Indian
Head machen wir Rast und gehen den steilen Weg hinauf
auf diese Felsklippe direkt am Meer. Erst führt der
Weg noch durch grünes Grasland mit Bäumen,
oben wird es dann kahl und schroff. Von hier hat man
insbesonders vormittags einen schönen Blick auf das
Meer im Sonnenschein. Unten schwimmen einige Delphine,
die Wellen brechen machtvoll an den Felsen. Selbst auf
dieser Höhe findet man noch die unglaulich schnellen
Krebse, die hochbeinig selbst im tiefen Dünensand
laufen können. Und gerade als sich ein großer Ansturm
von Touristen nähert, sind wir bereits wieder beim
Abstieg.
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  Gegen 11:00 Uhr
kommen wir dann am nördlichsten Punkt unserer Reise
an: Etwas westlich vom Waddy Point. Dort am Strand suchen
wir uns einen Platz für unsere Zelte. Wir bauen
schon mal auf, dann geht es zu den Champagne Pools,
die einen mit dem Wagen, wir am Strand entlang zu Fuß.
Das ist auch eine weise Entscheidung, der Weg führt
von einer schönen, einsamen Bucht zur nächsten,
dazwischen immer wieder bewaldete Stücke. Jedes mal
geht es hoch auf die roten Felsen und wieder hinab zum
nächsten Sandstrand, ein toller Wanderweg.
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 Die Champagne Pools
sind einer der wenigen Orte an Frasers Ostküste, an
denen man baden kann: Die Brandung und Strömung sind
i.d.R. ziemlich gefährlich. Bei den Champagne Pools ist
eine Barriere aus Felsen vor dem Strand stehen geblieben,
am Strand ist das Wasser nicht sehr tief, lauwarm und
sehr ruhig. An den Felsen brechen kraftvoll die Wellen, eine
gute Gelegenheit für ein paar Fotos. Die seltene
Badegelegenheit wird jedoch
von sehr vielen genutzt, kein Platz der Stille und Einsamkeit.
Am Nachmittag sind wir dann zu unserem Camp zurückgekehrt,
ich habe noch einen Spaziergang in die Dünen unternommen,
die hier beeindruckend hoch sind: Da man bei jedem Schritt
im Sand ein Stück wieder hinunterrutscht, muss man
bestimmt 150 Höhenmeter zurücklegen, um auf die
70m hohen Dünen zu klettern. Oben ist es ziemlich
ruhig, abgesehen vom Wind, der hier manchmal mit Macht
entlangfegt. Abends haben wir dann Unmengen von Pasta gekocht
und verzehrt, dann folgte wieder ein feucht fröhlicher
Abend mit Wein und Bier, Flaschendrehen und sonstigen
Spielchen.
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 Am nächsten
Morgen sind wir dann ganz früh aufgestanden, um den
Sonnenaufgang anzuschauen. Das war auch recht schön, wenn
auch die Sonne noch eine Weile hinter einer Wolke versteckt
war und uns somit die unendliche Morgenröte entgangen
ist. Nach dem Frühstück ging es dann die
gesamte Ostküste wieder zurück,
soweit wie das Autofahren hier erlaubt ist. Dann sind wir
auf den Southern Lakes Scenic Drive abgebogen, der von
Süden her an einigen Binnenseen vorbeiführt.
Nachdem wir uns den Lake Boomanjin noch angesehen haben,
sind wir an den anderen vorbeigefahren, um noch etwas
Zeit am Lake McKenzie zu verbringen, einem wirklichen
Badeparadies. Das Wetter ist sonnig und heiß und
als wir am See ankommen, staune auch ich (wo ich doch
gar nicht so ein Badefanatiker und Strandtyp bin).
Ein herrlicher weißer Strand, das Wasser ist zunächst
hellblau, wird dann schlagartig dunkel, der See ist sehr
malerisch. Die Dunkelheit des Wassers wird interessanterweise
nicht durch eine zunehmende Tiefe verursacht, sondern
durch den Boden des Sees, der einige Meter vom Ufer entfernt
plötzlich eine fast schwarze Farbe annimmt.
Nach dem Baden mussten wir uns dann ein wenig eilen, um
schnell wieder zum Kingfisher Bay Resort zu gelangen,
den Reifendruck wieder straßentauglich zu erhöhen
und letztendlich die Fähre noch zu kriegen. Eine
schöne Tour geht zu Ende...
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Auf der nächsten Seite
folgt die Fortsetzung dieser Reise, oder es geht zurück zum Abschnitt über die
Whitsunday Islands.
Oder aber nach oben zum Überblick.
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Literatur:
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Australien. Anne Dehne. Stefan Loose Verlag, Berlin, 2001.
ISBN: 3-922025-58-7.
Australia Road Atlas. Lonely Planet Publications Pty Ltd,
Footscray, Victoria, Australia, August 2000.
ISBN: 1-86450-065-4.
Cycling Australia. Lonely Plane Publications Pty Ltd,
Footscray, Victoria, Australia, April 2001.
ISBN: 1-86450-166-9.
Weitere Literaturverweise und Links gibt es in den
Seiten zu den einzelnen Orten, die im Text verlinkt sind.
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Anregungen, Lob und Kritik nehme ich gerne entgegen.
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