Modified: 06.04.2003

Big Island ist vulkanisch sehr aktiv. Von Jahr zu Jahr wächst die Insel auf Grund neuer Lavaströme. Im Volcanoes Nationalpark kann man der Insel beim Wachsen zusehen. Riesige Vulkankrater, flüssige Lava, dampfende Schwefelquellen und ein unglaublicher Wechsel der Vegetation sind nur einige der Highlights in diesem Park.

Im Süden der Insel stellt der Highway 11 die einzige Verbindung zwischen West und Ost dar. Aus beiden Richtungen steigt die Straße kontinuierlich an, bis sie etwa am Eingang zum Nationalpark ihren höchsten Punkt erreicht hat. Man befindet sich hier schon fast ganz oben auf dem Kilauea Vulkan. Die Vulkane Hawai`i's sind sog. Schildvulkane, die aus sehr flüssiger Lava entstanden sind. Da die Lava immer sehr schnell abfließt, bildet sich kein steiler Vulkankegel, sondern nur ein seicht ansteigender Hügel. Kommt man auf der Straße von Osten, so fährt man fast ausschließlich durch Regenwald. Von Westen kommend fährt man jedoch zwischen dem Mauna Loa und dem Kilauea hindurch, die Lavaströme des Mauna Loa haben hier große Teile der Landschaft in eine Wüste verwandelt.

 

 
 
Kilauea Krater:
 

Fährt man in den Volcanoes Nationalpark hinein, so erreicht man zunächst das Visitor Center. Von hier führt die Crater Rim Road einmal um den riesigen Krater des Kilauea. Diese Strecke führt an den meisten der Attraktionen des Nationalparks vorbei, eine Rundreise, die wohl jeder Parkbesucher unternimmt. Eine wirklich gute Karte erhält man übrigens schon am Eingang zum Nationalpark an der Kasse. Wählt man die Rundfahrt entgegen dem Uhrzeigersinn, so gelangt man zunächst zu einer kurzen Stichstraße zu den Sulphur Banks, den Schwefelquellen. Man kann jedoch auch direkt vom Visitor Center zu Fuß über einen kleinen Pfad dorthin gehen. Dies hat den Vorteil, daß man dann auf dem Sulphur Banks Trail eine Runde von etwas mehr als einem Kilometer wandern kann, die auch ein Stück auf dem Kraterrand des Kilauea entlang führt.

Zunächst gelangt man auf dem Weg zu den Schwefelquellen (= Solfataren, von griech. sulphur, Schwefel). Aus vielen Öffnungen im Fels dringen Schwefeldämpfe aus der Erde. Der Schwefel setzt sich beim Abkühlen am Gestein nieder, so daß ein gelblicher Belag aus lauter glitzernden Schwefelkristallen entsteht. Durch die gelbliche Farbe und den Dampf in der Luft macht die Landschaft einen gespenstischen Eindruck. Sehr ähnlich sind übrigens die Solfataren von Landmannalaugar in Island.

Folgt man auf der gegenüberliegenden Seite der Straßenkehre weiter dem Sulphur Banks Trail, so kommt man an diversen großen und kleine Löchern im Erdboden entlang. Dies sind zumeist sog. Fumarolen, aus denen kein Schwefel- sondern nur Wasserdampf entweicht. Man erkennt dies unschwer am Fehlen des beißenden Schwefelgeruchs. Besonders interessant ist die Vegetation hier. Einige Pflanzen wachsen bis in die Löcher hinein. Insbesondere Moose und Flechten scheinen sich mit dem heißen Wasserdampf zu arrangieren. So findet man hier auch besonders schöne Exemplare Lycopodium cernuum, das hier leicht 40cm Höhe erreicht. Den anderen Pflanzen macht der heiße Dampf bedeutend mehr aus, immer wieder sind ganze Arreale zu sehen, die mit grau-schwarzen Blättern durchsetzt sind.

Der Sulphur Banks Trail quert die Straße und führt direkt an den Kraterrand des Kilauea. Der Krater hat riesige Ausmaße, von Nord nach Ost mißt er etwa 3.5km, von West nach Ost sogar mehr als 4km. Bei genauer Betrachtung sind immer noch kleine Dampf- oder Rauchwolken am Kraterboden sichtbar. Vom Weg aus sieht man rechts die Fumarolen direkt am Kraterrand, von denen große Dampfsäulen in die Luft steigen. Folgt man dem Kraterrand in die entgegengesetzte Richtung (nach Osten), so gelangt man durch ein Stück sehr dichter Vegetation wieder zum Visitor Center. Von hier aus sollte man nun für die weitere Besichtigung den Wagen nehmen.

Fährt man mit dem Auto auf dem Crater Rim Drive, so bietet sich an vielen Stellen ein Blick in den Kilauea-Krater. Hierin ist, weithin sichtbar durch seine schwefelgelbe Färbung, ein kleinerer Krater gelegen, der Halema'uma'u. Von einem Parkplatz führt ein kurzer Weg zu einem Aussichtspunkt direkt an dessen Kraterrand. Es lohnt sich, dem Weg noch ein wenig weiter zu folgen, denn hier hat die Natur wieder einmal einiges zu bieten. Große Gasblasen in der Lava bildeten kleine Hügel an der Oberfläche und platzten zum Teil auf. Hier gibt es daher einige natürliche Unterstände, in die man bequem hineingehen kann und die erfrischenden Schatten spenden. Außerdem gibt es auch hier Schwefelquellen, und in den vielen Felsspalten finden sich herrliche Schwefelkristalle.

Vom Halema'uma'u fährt man weiter Richtung Osten. Zunächst durchquert man die Lavafelder von 1982, die noch tiefschwarz und völlig kahl sind. Pflanzen haben noch nicht wieder ihren Weg hierher gefunden. Auf dem weiteren Weg kann man links eine Art Flußbett sehen. Hier lohnt es sich, einfach anzuhalten und einmal über den rotbraunen Hügelrand zu schauen. Es handelt sich bei dem Gebilde um einen Lavastrom, dessen Nachschub plötzlich versiegt ist. Die flüssige Lava lief weiter, so daß ein leeres Flußbett dieses Lavastromes zurückblieb.

Auf der rechten Straßenseite findet man wenig später einen kleinen Stop, von dem aus man einen schönen Überblick über den Krater des Keanakako'i hat, einen der kleineren Nebenkrater, die sich am Rande des großen Kilauea-Kraters befinden. Ein Stück weiter findet man noch einen schönen Ausblick über eine typische Vulkanspalte des Kilauea. Die Eruptionen des Kilauea beginnen gewöhnlich mit langen Rissen, die sich in der Erde auftun. Aus diesen spritzt die Lava mit einem relativ hohen Druck in die Luft, es bilden sich sog. Vorhänge aus Feuer. Die Spalte hier gehört zum Lavastrom vom Juli 1974.

Der nächste markante Punkt auf der Strecke ist eine Straßenkreuzung. Auf der einen Seite beginnt hier die  Chain of Craters Road, die hinunter zur Küste und zu den aktuellen Lavaströmen führt. Auf der anderen Seite führt eine kurze Stichstraße zum Devastation Trail, einem kurzen Wanderweg, auf dem man sehr gut die Verwüstung durch einen Vulkanausbruch und die Wiederbesiedlung des Gebietes durch die Pflanzen verfolgen kann. Der Pfad endet an einem Aussichtspunkt, von dem aus man einen schönen Blick auf den Pu'u Pua'i hat, einen Hügel aus kleinen Steinchen, die bei einem Ausbruch hochgeschleudert wurden und hier gelandet sind. Den Trail muß man allerdings wieder zurückgehen (kein Problem bei nur einem Kilometer Länge), wenn man nicht gerade einen Fahrer hat, der den Wagen zwischenzeitlich bis zu diesem Ende des Weges gebracht hat.

Der Crater Rim Drive führt nun in einen dichten Dschungel und das Wetter hier macht deutlich, daß das Wort Regenwald von Regen kommt. Inmitten der undurchdringlichen Baumfarne befindet sich eine weitere Attraktion des Parks, die Thurston Lava Tube. Hierbei handelt es sich um eine Tunnelröhre von etwa 5m Durchmesser, die man von einem Ende zum anderen durchqueren kann. Solche Röhren bilden sich oft in Lavafeldern, da die Lava an der Oberfläche am schnellsten erkaltet und fest wird. Die noch flüssige Lava weiter unten erkaltet langsamer und zieht sich dabei zusammen, so daß entsprechende Hohlräume unter der Erde entstehen. Die Röhre ist schwach beleuchtet und alleine der Abstieg durch den Wald ist ein Erlebnis. Auf der anderen Seite der Straße beginnt der Kilauea Iki Trail, ein 4km langer Wanderweg, der mitten durch diesen Nebenkrater des Kilauea führt. Fährt man weiter auf der Straße, gibt es noch einen kleinen Parkplatz, bevor man wieder das Visitor Center erreicht. Von hier aus hat man einen schönen Blick über den Kilauea Iki.

 

 
 
Chain of Craters Road: flüssige Lava
 

Im Südwesten des  Crater Rim Drive zweigt die Chain of Craters Road ab, die hinunter zur Küste führt. Man fährt in einem weiten Bogen einfach den flachen Schildvulkanhang hinunter. Auf dem Weg sind immer wieder einzelne Lavaströme zu sehen, die sich diesen Hang hinunterergossen haben. Wie oft hat diese Straße neu gebaut werden müssen? Nach einigen schönen Ausblicken auf die Weite der Landschaft gelangt man schließlich ans Meer. Eine Steilküste fällt etwa 20m senkrecht ab, das Meer donnert mit unglaublicher Wucht an den Fels, die Gischt spritzt manchmal bis über die Kante. Die Felsküste wird stark unterspült, so daß man an manchen Stellen nicht bis zum Rand gehen sollte. Es gibt an einer Stelle sogar eine Art Torbogen, den das Meer aus dem Fels gewaschen hat. Wie lange der wohl noch dort stehen mag?

Die Straße endet unter einem Lavastrom. Bis 1988 konnte man hier noch durchgehend bis in den  Puna District fahren, doch die Lavamassen haben die Straße überrollt und zu einer Sackgasse gemacht. Vom Ende der Straße aus kann man (wenn die Vulkanaktivität es zuläßt) zu den aktiven Lavaströmen gehen, ein günstiger Pfad wird von den Rangern jeweils markiert. Zum Zeitpunkt meines Besuchs (Juli 2002) floß die Lava gemächlich vor sich hin, so daß man sehr dicht herangehen konnte. Kurze Zeit später gab es starke Lavaströme, die die Straße wieder empfindlich verkürzt haben, so daß ein Teil dieser Informationen schon nicht mehr aktuell sind.

Das Begehen der Lavafelder erfordert eigentlich festes Schuhwerk, es gibt aber auch immer wieder Amerikaner, die den Weg in Badelatschen antreten. Glück, wenn der Weg zur Lava nicht sehr weit ist, aber verlassen sollte man sich darauf nicht. Weiterhin sollte man genügend zu trinken mitnehmen, 1.5 Liter pro Person sind eher die Untergrenze. Die Sonne produziert eine immense Hitze auf den Lavafeldern, und der Wind führt sengende Luft von der glühenden Lava mit sich. Bevor man die Reise antritt, sollte man sich (am Visitor Center am Eingang) schon erkundigen, was es zu sehen gibt und wie man dorthin gelangt. Dann ist es allerdings auch nicht sehr gefährlich, wenn man sich an die Regeln der Ranger hält. Die Lava bildet hier wirklich wundervolle Formationen, über die man nicht achtlos hinweglatschen sollte, wie die Fotos verdeutlichen.

Die beste Zeit für einen Besuch der Lava ist vielleicht der späte Nachmittag. Gegen 19:00 Uhr wird es schon rapide dunkel, so daß man auf diese Weise Gelegenheit hat, die Lava noch im Hellen zu bewundern. Die Neugierigen gehen bis auf einen halben Meter an die Lava heran, noch etwas dichter wird es ihnen zu heiß. Es ist schon aufregend, das flüssige Gestein zu betrachten. Überall quillt etwas rote Lava unter dem grauen, bereits etwas abgekühlten Deckmantel hervor. Die Fließgeschwindigkeit ist unterschiedlich, manchmal perlt es minutenlang rot aus dem Lavawulst hervor, um einen kleinen Lavatopfen zu bilden, manchmal fließt auch schnell ein kleiner roter Bach heraus.

Mit einer Taschenlampe im Handgepäck (für den Rückweg) kann man dann auch noch die Dunkelheit abwarten. Dann beginnt sich eine Art Lagerfeuer-Stimmung auszubreiten, die Lava leuchtet orange in der Nacht und auch der Sternenhimmel taucht unter den häfigen Wolken hier manchmal auf. Die Touristen, die sonst aufgeregt von einem roten Lavatropfen zum anderen gelaufen sind, setzen sich neben die Lava und genießen das Schauspiel. Die leuchtenden Lavaströme sind auch wirklich eine kleine Sensation, man könnte wohl auch Fleisch am Spieß über der Lava grillen.

 

 
 
Kipuka Puaulu: ein Pflanzenparadies
 

Zum Volcanoes Nationalpark gehören auch Gebiete, die außerhalb der Zone liegen, für die man Eintritt bezahlen muß. Eines dieser Gebiete ist Kipuka Puaulu, eine Enklave der Vegetation, etwas westlich von Eingang zum Nationalpark gelegen. Kipukas sind Gebiete, die ältere Vegetation besitzen, als die umliegenden Gegenden. Kipuka Puaulu wurde von einem Lavastrom, der sich kurz vor Erreichen des Waldes in zwei Ströme teilte, umringt und somit von der Umwelt abgeschnitten. Hier haben sich noch einige Pflanzen erhalten, die anderswo kaum noch zu finden sind. Insbesondere ist es eines der ältesten Waldgebiete von Big Island, so daß es einen wunderschönen Bestand alter Bäume gibt.

 

 
 
Verweise:
 

Auf  Ingrids Welt gibt es viele ausführliche Tips und Reisebeschreibungen zu  Big Island und den  anderen Inseln.

Die University of Hawai'i in Manoa hat einige Webseiten zur Botanik des  Volcanoes Nationalparks, insbesondere gibt es sehr schöne Seiten zu  Kipuka Puaulu und den  Sulphur Banks.

Die  aktuellsten Informationen über den Nationalpark stammen natürlich vom Park selbst, insbesondere werden  Nachrichten über die aktiven Lavaströme täglich aktualisiert und illustriert.

 

 
 
Literatur:
 

Es gibt einen sehr schönen Pflanzenführer zu den Nationalparks in Hawaii: Charles H. Lamoureux, Trailside Plants of Hawai`i's National Parks. Hawai`i's Natural History Association. ISBN: 0-940295-09-1.


 
 
 Anregungen, Lob und Kritik nehme ich gerne entgegen.