Modified: 15.05.2003

Der Mauna Kea ist der König der Vulkane auf Hawaii. Er ist 4205 Meter hoch, ist vulkanisch inaktiv und daher der ideale Standort für astronomische Teleskope. Hawaii ist weit abgeschieden von den Einflüssen der Zivilisation, klare, kalte Luft und die Lage über den Wolken bieten freie Sicht auf den Sternenhimmel. Kein Wunder, daß hier die bedeutendsten Sternenteleskope der Erde ihren Platz gefunden haben.

 

 
 

Über die Saddle-Road, die einzige Straßenverbindung von Ost nach West, die durch das Inselinnere zwischen den beiden großen Vulkanen hindurchführt, gelangt man zur Zufahrt zum Mauna Kea. Die Saddle Road wird oftmals als abenteuerliche Piste beschrieben und die Autovermieter untersagen i.d.R. das Befahren dieser Straße mit einem Mietwagen. Die Straße ist jedoch in keiner Weise schwierig zu meistern, sie führt in weiten Bögen durch die Landschaft (enge Serpentinen gibt es auf Hawaii nicht, da die Berge hier Schildvulkane sind, also keine steilen Flanken haben), besitzt ein paar Schlaglöcher, setzt aber wirklich keinen Geländewagen voraus. Vielleicht war das früher einmal anders, das einzige Problem, das noch existiert, ist der nicht vorhandene Versicherungsschutz von Mietwagen (schließlich gibt es ja keine Erlaubnis des Vermieters, hier zu fahren). Wo es keine Probleme gibt, findet sich schon jemand, der schnell welche herbeizaubert... Eine unbeschilderte Abfahrt zweigt von der Saddle Road zum Mauna Kea hin ab. Diese führt in leichter, stetiger Steigung an der Flanke des Berges hinauf, die Umgebung hier ist in das einheitliche Braun der Lava hier getaucht. Im Laufe der Zeit bemerkt man doch den langsam bewältigten Höhenunterschied, der Weg führt zunächst bis zum Basiscamp der Astronomen auf 2760 Meter Höhe. Hier gibt es ein Visitor-Center, in dem allgemeines Wissen über die Astronomie in Bild und Ton vermittelt wird. Weiterhin gibt es erste Beschreibungen der Teleskope auf dem Gipfel des Berges. Die Reisenden, die bis zum Gipfel unterwegs sind, müssen hier eine Zwangspause einlegen, um sich zunächst einmal an die dünne Höhenluft zu gewöhnen. Die Straße, die weiter auf den Gipfel führt, ist eine Sandpiste, die nur mit allradgetriebenen Fahrzeugen befahren werden darf. Oben auf dem Gipfel sind Teleskope von vielen verschiedenen Nationen zu sehen, unter ihnen das Keck Observatory mit seinem optischen Infrarot-Teleskop und seit 1996 auch Keck 2, die sich beide zu einem Teleskop zusammenschalten lassen. Beide haben 10m Öffnung und einen Spiegel, der aus 36 einzelnen, sechseckigen Teilen besteht.

 

Für alle Reisenden ohne Allradfahrzeug bildet das Visitor Center bereits das Ende der Straße, doch auch dies lohnt sich als alleiniges Ziel. Neben den Filmvorführungen, Computerdemonstrationen und Informationstafeln gibt es abends die Gelegenheit, durch mehrere aufgestellte Teleskope den Sternenhimmel zu betrachten, angeleitet durch einen sachkundigen Mitarbeiter. Bei klarem Himmel (hier befindet man sich i.d.R. über der ersten Wolkenschicht) kann man sogar einige Satelliten sehen, die die Erde umkreisen. Der beste Zeitpunkt, um sich hier oben einzufinden, ist wohl kurz vor Beginn der Dämmerung. Dann kann man bei gutem Sonnenlicht noch eine weitere Sensation des Visitor-Centers besichtigen, das sehr seltene, nur auf Hawaii vorkommende Silberschwert, eine recht merkwürdig anmutende Pflanze mit vielen schmalen, spitzen Blättern, die agavenähnlich aus einem Zentrum wachsen. Nach sieben Jahren erwächst aus der Mitte ein Fruchtstiel mit Blüten, danach stirbt die Pflanze. Hier oben werden diese Pflanzen, die vor kurzem noch sehr stark vom Aussterben bedroht waren, offenbar angepflanzt, so daß man nicht nach ihnen suchen muß. Das Visitor Center liegt übrigens ungefähr auf der Verbreitungsgrenze der Silberschwerter, in niedrigeren Höhenlagen gedeihen sie nicht, sie fühlen sich jedoch noch bis in Höhen von mehr als 4000 Meter wohl. Nach dem Blick auf die Flora bietet sich die Gelegenheit, auf eine der kleineren Erhebungen gegenüber zu steigen, um den Sonnenuntergang am Mauna Kea zu genießen. Es handelt sich dabei nicht um einen richtigen Sonnenuntergang, die Sonne verschwindet eigentlich nur hinter der Flanke des Berges selbst, doch ist dieses Spiel des Sonnenlichtes an den Berghängen, nach unten begrenzt durch die tieferliegende Wolkendecke, wirklich einmalig.

 

 
 
Verweise:
 

Auf  Ingrids Welt gibt es viele ausführliche Tips und Reisebeschreibungen zu  Big Island und den  anderen Inseln.

 Informationen zu den Teleskopen und Observatorien gibt es auf der Website des  Institute of Astronomy der Universität Hawaii. Hier finden sich auch Informationen über geführte Touren.


 
 
 Anregungen, Lob und Kritik nehme ich gerne entgegen.