
Dithmarschen
ist im späten Mittelalter in einer recht
außergewöhnlichen Situation: Es ist ein
Bauernfreistaat. Die hier ansässigen Bauern mußten
also nicht einen Großteil ihrer Produktion bei Lehnsherren
abliefern und bewirtschafteten ihren eigenen Boden.
Mehrere Eroberungszüge der Dänen scheiterten,
erst 1559 gelang die Unterwerfung. Bis dahin hatten die
Dithmarscher Bauern also allen Grund, ein starkes
Standesbewußtsein zu entwickeln. Und so kommt es,
daß sie es sich ebenso wie der damalige Adel
leisteten, sich in unterirdischen Grüften
beisetzen zu lassen. Hier in Lunden finden wir einen
solchen Friedhof, auf dem sich die Bauerngeschlechter
bestatten ließen. Unter zwei mannhohen Steinplatten
befindet sich jeweils der Eingang in eine Gruft eines
Bauerngeschlechts. Eine der vorhandenen Grüfte
kann zu bestimmten Zeiten besichtigt werden.

Die alten
Grabplatten zeigen die Geisteswelt der Menschen des
Mittelalters. In den Ecken finden wir häufig die
Symbole der vier Evangelisten. Im Gegensatz zu
Grabplatten andernorts wird hier jedoch nicht
nur auf die kirchliche Symbolik zurückgegriffen.
So ist die Grabplatte i.d.R. von einem großen
Familienwappen geziert, das einen wesentlichen Teil
der Fläche füllt.