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Malerisch an der Garonne gelegen ist Toulouse, ein
Juwel der Romanik und Gotik. Toulouse liegt am alten
Pilgerpfad zu den Gebeinen des St. Jakobus, die
in Santiago de Compostela ruhen. Einige großartige
Kirchen und gut erhaltene Klosteranlagen finden sich
hier.
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St. Sernin:
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Der Name St. Sernin
ist eine Variante von St. Saturninus, des ersten Bischofs
von Toulouse. Die Kirche St. Sernin beherbergt die Reliquien
dieses frühen christlichen Märtyrers. Der heutige
romanische Bau wurde etwa 1070 bis 1080 begonnen, erst im 14.
Jahrhundert wurde er zunächst vollendet.
Weitere Gebäudeteile folgten im 16. Jahrhundert.
Überraschend ist der Anblick der Westfassade von
St. Sernin, die keine Türme besitzt: Die beiden
geplanten Westtürme wurden niemals gebaut.
Stattdessen verfügt der Bau über einen herrlichen,
achteckigen Vierungsturm, der eine Höhe von 65m erreicht.
Während die unteren drei Stockwerke des Turms mit romanischen
Rundbögen als Fensteröffnungen versehen wurden, sind
die Fenster der oberen zwei Stockwerke von Giebelbögen
bekrönt, eine Anlehnung an die römische
Architektur.
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Das Innere der
Kirche wurde nach den Erfordernissen einer Pilgerkirche
gestaltet. Der Chor ist zu drei Seiten vom Rest der
Kirche abgeteilt, um ihn herum führt ein Chorumgang,
in dem die Reliquienschreine ausgestellt sind. Auf diese
Weise konnten Pilgerer durch eines der Westportale die
Kirche betreten, durch das Haupschiff direkt in den
Chorumgang schreiten, die dort gezeigten Reliquien
sehen und nach einer Umrundung des Chores wieder
gen Westen die Kirche verlassen. Dieser Rundgang
beeinträchtigt den im Chor abgehaltenen Gottesdienst
der Priester nicht.
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Die Innenausstattung
von St. Sernin ist sehr sehenswert. Ein herrliches
Chorgestühl, der Altar von 1096, der von Papst Urban II.
eingesegnet wurde, viele Zierkapitelle (vorwiegend im
Bereich des Querhauses). Besonders schön ist auch das
Relief im Chorumgang, das einen segnenden Jesus zeigt.
Die Ecken zeigen die Evangelistensymbole.
Interessant ist auch das Miniatur-Modell der Kirche,
das im Chorumgang an der Decke hängt.
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Jakobiner-Kloster:
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Die
Jakobiner-Kirche und die zugehörige Klosteranlage
in Toulouse sind Prachtexemplare der Gotik. Die Kirche
selbst ist eine Hallenkirche, sie wächst inmitten
der umliegenden engen Gassen in die Höhe.
Zur Kirche gehört noch der Rest eines Klosters,
den man gegen Eintritt auch besichtigen kann. Direkt
nördlich schließt sich ein Kreuzgang an
die Kirche an, Kapitelsaal, Sakristei und Refektorium
sind ebenfalls noch erhalten. Die Klosterräume
werden heute für Kunstausstellungen und für
Musikaufführungen genutzt, letzteres kann
die ruhige Atmosphäre des Kreuzganges sehr
verzaubern.
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Die
Kirche ist nicht zuletzt auf Grund der
Tatsache bekannt, daß sie die Gebeine
von Thomas von Aquin beherbergt. Doch auch Ihr
Inneres ist sehr ungewöhnlich: Es ist eine
zweischiffige Halle, so daß in der Mitte der
Halle eine Reihe von massiven Pfeilern in die Höhe
ragt. Die übliche Position des Altars mittig vor
dem Chor kommt somit nicht in Frage, da der Altar dann
genau zwischen zwei Säulen stünde. Stattdessen
steht der Altar in der Mitte der Nordwand, die Sitzreihen
laufen jeweils von Westen, Süden und Osten auf den
Altar zu.
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Der Bau
wurde 1230 begonnen. Es folgten mehrere An- und Umbauten,
bis der fertige Zustand im Jahre 1336 erreicht wurde.
Der Turm wurde ab 1292 errichtet und zeigt den für
Toulouse typischen Stil auf (er trug bis 1795 auch eine
Spitze, vgl. auch
St. Sernin).
Sehr schön sind die Gewölberippen des Chores,
die einen elfzackigen Stern bilden. Die stimmungsvolle
Atmosphäre in der Kirche wird durch herrliche
Buntglasfenster erzeugt. Das Glas der Fensterrose
im nördlichen Schiff stammt aus dem 16. Jahrhundert,
viele Fenster wurden jedoch im 19. Jahrhundert
zerstört. Ihre Neugestaltung erfolgte zwischen 1925
und 1964.
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St. Etienne:
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Saint Etienne in
Toulouse ist auf den ersten Blick ein sehr merkwürdiger
Bau. Zum einen sieht die Westfassade sehr gestückelt
und unvollendet aus, zum anderen scheint die ganze
Kirche ein Flickwerk zu sein. Am Augenfälligsten wird
dies, wenn man im Inneren der Kirche steht. Der Ostteil
ist ein gigantischer, gotischer Chor, eine eigene Kathedrale.
Er ist doppelt so breit wie der ältere, romanische
Westteil, so daß dieser wie ein kleinerer Anbau wirkt.
Der Innenraum wirkt wie über Eck gebaut. Beide Kirchenteile
wurden erst im 16. Jahrhundert auf Beschluß vom
Cardinal Jean d'Orleans miteinander zu einem Gebäude
verbunden.
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Der Ostteil
ist von außen einheitlich im gotischen Stil gehalten.
Ursprünglich sollte der Chor bis zu einer Deckenhöhe
von 40m reichen, jedoch wurde Anfang des 17. Jahrhunderts nach
einem Brand des Dachstuhls die heutige Decke in nur
28m Höhe geschlossen.
Der Westteil ist ursprünglich romanisch, wurde jedoch bis
ins 20. Jahrhundert stetig ergänzt, so daß die
Westfassade durch einen Teil im Flamboyant Stil des 15.
Jahrhunderts geprägt wird. Die Fensterrose ist
gotisch, sie wurde im 13. Jahrhundert gefertigt. Der
Glockenturm entstammt dem 16. Jahrhundert und erreicht
eine Höhe von 55m.
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Der
Innenraum des Chores wirkt sehr geräumig und
licht. Direkt am Verbindungsteil zwischen Ost- und
Westteil trägt ein riesiger Pfeiler die hier
auftretenden Druckkräfte des Gewölbes.
Hoch oben an der nördlichen Abschlußwand
des Chores hängt die Orgel von St. Etienne.
Unterhalb davon befinden sich Gemälde des
16. Jahrhunderts. Beeindruckend ist auch der sehr
maßlose Altar aus dem 17. Jahrhundert.
Auf dem Platz vor der Westfassade befindet sich übrigens
der Griffoul, der älteste Brunnen in Toulouse.
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Augustiner-Museum:
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In einem
ehemaligen Augustiner-Kloster ist heutzutage ein
wunderschönes Museum untergebracht. Das Museum
bietet eine Ausstellung von Gemälden und vielen
hervorragenden Plastiken des Jugendstils. Insbesonders
werden dort jedoch Teile der Kirchen von Toulouse
gezeigt, die sich (z.B. aus konservatorischen Gründen)
nicht mehr an oder in den ursprünglichen
Gebäuden befinden. Hierzu gehört die
Präsentation von Kapitellen fast aller Kirchen
von Toulouse. Sie befindet sich passenderweise in
einem neu eingezogenen Obergeschoß der ehemaligen
Klosterkirche. Eine ganze Heerschar von Wasserspeiern
bevölkert den Kreuzgang des Klosters, weitere
Räume zeigen gotische und romanische Skulptur
und mittelalterliche Inschriften.
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St. Pierre des Cuisines:
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Die Kirche
St. Pierre des Cuisines liegt im Südwesten des
Stadtzentrums (oberhalb der Garonne). Sie wird nicht mehr
als Kirche benutzt, sondern wurde im Inneren zu einem
Konzertsaal umgestaltet. Auf diese Weise verbindet sich
das architektonisch Anspruchsvolle des Äußeren
mit dem muskalisch Anspruchsvollen der aufgeführten
klassischen Konzerte. Im Inneren kann man jedoch auch noch
die Überreste der freigelegten Vorgängerbauten
der Kirche sehen, eine frühchristliche Basilika und
eine vorromanische Kirche.
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Verweise:
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Die Stadtverwaltung von Toulouse hat eine Präsentation einiger Monumente von
Toulouse auf ihrem Server.
Einen kurzen Text zu St. Etienne liefert Art'Toulouse.
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Literatur:
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Basilika Saint-Sernin, Quitterie & Daniel Cazes, Editions
Sud-Ouest, Luçon, 1994. ISBN: 2.87901.120.5.
The Church of the Jacobins in Toulouse, Führer in der
Kirche erhältlich.
Visite guidée de la Cathédrale Saint Etienne
de Toulouse, Hrsg: Société Nouvelle Lescuyer,
Villeurbanne, 1997. Erhältlich in der Kirche
St. Sernin.
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Anregungen,
Lob und Kritik nehme ich gerne entgegen.
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